Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Quellen und Motive der Staats- und Gesellschaftsauffassung des Don Isaak Abravanel
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 497 (sequence 2)
- Language
- German
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Quellen d. Staats« u. Gesellschaftsauffassung• Don Isaak Abravanels 497 דדמלכותא דיגא hielten sie sich mehr an die wirklichen Gegebenbeiten aus Geschichte und Gegenwart5, und es fällt nicht leicht, mehr als ein paar allgemeine Sätze grundsätzlicher Art bei ihnen aufzufinden. So haben sie auch nur selten erörtert, ob die talmudischen Sätze über das ״König-reich“ und die Ver- Kindlichkeit seiner Anordnungen auch auf Republiken zu übertragen sind. (Die Pflicht, für die Regierung zu beten6, dehnt 7לב אברת ausdrücklich auf eine Republik, Venedig, aus; dagegen will ein Gutachten des R. Schemuel di Medina8 für Ragusa die dortige Behörde nicht einer ״königlichen“ gleichstellen, indessen nur als Hilfsargument.) Ist Abravanels Anschauung über die Staats form demnach auffallend genug, so wird sie in ein besonderes Licht gerückt durch seine Anschauung über den Staat überh a u p t, seine Äußerungen über den staatlichen Zus ä m m e n s c h 1 u ß der Menschen — freilich büßt sie gerade durch diese Zuspitzung an wirklicher Schärfe ein. Denn Abrävanel fragt nach den Ursprüngen der menschlichen Ge- Seilschaft, und da erscheint ihm nicht nur die Monarchie, sondem die ganze äußere Kultur der Gemeinschaft, wie sie im Staat (ד,קבוץ ד, מדיני) ihren Ausdruck findet, überflüssig (מותרי), um nicht zu sagen schädlich. Da Baer die ״Gesellschaftslehre“ Abravanels9 aus den bezeichnendsten Stellen seines Genesiskommentars zusammengefaßt hat, sei im folgenden vor allem seine Stellung zum Problem des staatlichen Zusammenschlusses genauer Umrissen und die Frage weiter verfolgt, woher seine Anschauungen stammen könnten. Wer war der Begründer des Königtums? Nimrod. So antworteten christliche Theologen10, aber auch jüdische Schrift- 5 Auch für das nicht jüdische frühere Mittelalter war die Monarchie die einzige praktische Gegebenheit. Vgl. F. Kern, Mittelalterliche Studien I, 2 (Göttesgnadentum und Widerstandsrecht) S. 3 ff. 6 Abot EI 2. 7 Bei Midrasch Schemuel z. St. 8 Ch. M. 350. 9 Vielleicht richtiger gesagt: eine seiner Anschauungen über die Gesellschaft und ihre Kultur; denn leider hält Äbr. seine Gedanken häufig nicht konsequent fest, vgl. im folgenden (bes. Anm. 38); Beispiele hierfür (auch in rein exegetischen Fragen) auch bei Segal, Tarbiz das. S. 281. 10 Augustin (vgl. De civ. Dei XVI 3 f., Migne PL Bd. 41 Sp. 479 ff.) und