Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 3 · p. Seite 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 3
Article
Die Staatsauffassung des Don Isaak Abrabanel
Date
1937-01-01
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2830023-2830027-2840692--54744-2840732
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

260 Ephraim E. Urbach seine Vollkommenheit erreichen kann, gebrochen. Ihn interessiert vielmehr die Staatsform, welche für die gegebenen Zustände die zuträglichste sei. Die Ansicht der Philosophen, daß die Stellung des Königs im Staate der des Herzens im Organismus entspreche10, und daß das Königtum wiederum drei Dinge voraussetze, und zwar die unbeschränkte Einherrschaft, die ununterbrochene Erblichkeit und die absolute MachtVollkommenheit, erscheint ihm falsch. Die Existenz des Staates setzt all dies nicht voraus. Es besteht die Möglichkeit, daß die Staatsführung in den Händen mehrerer Menschen liege, daß sie jedes Jahr abgelöst werden — dadurch ergibt sich die Möglichkeit einer gegenseitigen Kontrolle —, und daß sie sich nach bestimmten Gesetzen und Vorschriften bei ihrer Regierung zu richten haben. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die Fehlleistungen häufiger sind beim Einzelnen als bei einer Mehrheit; Aristoteles bestätigt dies in seiner Metaphysik* 11, indem er sagt, die Wahrheit sei leichter faßbar für eine Vielheit von Menschen, dank ihrer größeren Kenntnisse und ihrem größeren Erkenntnisvermögen als für den Einzelnen. Abr. verzichtet auf eine weitere spekulative Auseinander- Setzung; er meint, die Erfahrung lehre mehr als die logische Spekulation, und geht daher induktiv vor, sammelt Einzelbeiten auf historisch-politischem12 Gebiete, und als Staats- 10 Über solche Vergleiche s. Steinschneider, Alfarabi S. 69. Bei Philo findet sich der Vergleich mit dem Auge (Über die Binzelges. IV 157 — Die Werke Philos in deutscher Übersetzung II, 291), den auch die Agada auf weist: Aptowitzer, Parteipolitik der Hasmonäerzeit usw. 1927, S. 267, Anm. 4. 11 . ♦ ♦ אמר האלקי בתחלת מה שאחר הטבע über den hebr. Titel der Metaphysik und ihre Übersetzungen s. Steinschneider, Hebr. Übers. S. 156; 162 ff. [Eine solche Stelle ist mir aus der Metaphysik nicht bekannt; der Gedanke entspricht auch nicht der im wesentlichen aristokratischen Auffassung des Aristoteles. Abr.s Vorlage hat vielleicht Pol. III 7, 12 (1383 b 33) im Auge: ״es ist nicht ausgeschlossen, dafi die Menge bisweilen besser und reicher ist als die wenigen — (wenn wir) nicht an den einzelnen, sondern an die Gesamtheit (denken)". I. H.] 12 Das ausgesprochene Interesse Abr.s für geschichtliche Fragen tritt uns in seinen Werken häufig entgegen. Es genügt, auf die Einleitungen zu seinen Kommentaren zu den bibl. Schriften, auf die Einleitung zu Abot und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.