Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 2)
- Language
- German
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254 Besprechungen Zwar ist das Pathos Gott nicht substanziell zu eigen, aber es ist das Letzte und Bestimmende, das der Prophet von Gott erfährt. In einer bemerkenss werten, der Kühnheit nicht ermangelnden Weise verficht H. die These, daß Leidenschaften der Priorität des Geistes keinen Abtrag tun (um Geist abei, nicht um Macht geht es auch den Propheten); die Leidenschaften gehören nach der Auffassung des antiken Judentums zum Bestand des Geistigen. Das Verständnis dafür ist uns verloren gegangen. H. macht die Voraus« Setzungen klar, die den Widerstand gegen den Anthropopathismus be« gründen und dem statischen Gottesbegriff zum Siege gegen den dyna►* mischen Gottesbegriff verholfen haben. Der Anklang an moderne existenzielle Theologien, die bekanntlich auch das dynamische Verständnis der biblischen Vorgänge und Vorstellungen fordern, scheint nur ein An« klang zu sein. Dagegen leuchtet die Verwandtschaft mit Anschauungen des Chassidismus nicht nur an dieser Stelle durch. Sicher haben wir es hier in der Rechtfertigung und Erhebung der Leidenschaften mit dem be-!merkenswertesten Kapitel des Buches zu tun. Es ist zu erwarten, daß dei Vf. in seiner ungedruckten Studie über den רוח in der Bibel auf diesen Gegenstand weiter eingehen wird. Auf jeder Etappe seiner Untersuchungen nimmt H. die Abgrenzungen und Definitionen vor, die zur Begründung seiner Theorie unerläßlich sind und die das prophetische Bewußtsein mit seinen Merkmalen als sui generis erweisen. Die Heranziehung der Literatur ist umfassend1; bei einer erneuten Bearbeitung wäre z. B. Pedersen zu berücksichtigen. Es mögen dann auch die Wiederholungen, einige schwierige Satzkonstruktionen und nicht immer treffende Antithesen beseitigt werden (auch einige Druckfehler, z. B. 1. Rg. 20, 35-43). Es entstehen über dieser Untersuchung mancherlei Fragen, deren Klärung der Absicht des Buches dienen würde. Die wichtigsten seien im folgenden kurz behandelt. Als eine der Hauptquellen für das Verständnis des prophetischen Bewußtseins dient H. neben! dem oft zitierten Jeremias die Stelle Aimos 37 (galt lange Zeit als Einschub): Gott tut nichts, ohne sein Geheimnis seinen Dienern kundgetan zu haben. Dieser Satz steht im prophetischen Schrift►* tum einzig da, und der in ihm behaupteten Ausschließlichkeit von seiten Gottes entspricht die Ausschließlichkeit des Propheten. ״Der Prophet hat keine direkte Stellungnahme zu den Dingen, sie werden durch eine Bezug►* nähme auf Gott bestimmt" (S. 68). Nun ist doch aber der Prophet nicht immer im Zustand des Erlebens, und wenn es dem Vf. auch nur um ״die Analyse der sel'bsterlebten, nicht' der von ihnen gelehrten, und gepredigten Religion" (S. 166) zu tun ist, so scheint es doch einen solchen erlebnis« freien Zustand in ihnen gegeben zu haben; davon geben auch Stellen der Schrift genügend Zeugnis. Die Propheten hören in diesem Zustand ge״ wiß nicht auf, Propheten zu sein, denn das sind sie kraft Berufung. Es spricht vieles für die Behauptung des Vf., daß der Prophet seinen Bewußt►* seinsbesitz auch im Moment der Eingebung behauptet (S. 37), aber die andere Frage ist — und das ist zugleich die Frage nach der Einheit oder