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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 2 · p. Seite 218

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 2
Article
Das Schicksal eines Namens
Date
1937-01-01
Page
Seite 218 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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218 J. Bergmann dem ist das Wort ״Epikureer46 in der Bedeutung von Sehlemmer und Schwelger in die modernen Kuliursprachen eingegangen. 4. Das Schicksal des Wortes ״Epikureer“ erinnert an das Schicksal, das bekanntlich auch das Wort ״Pharisäer44 im Sprachschatz der Kulturvölker erfahren hat. Das Wort ״Pharisäer44 bedeutet ״Abgesonderte44 und nicht ״Heuchler4״ oder ״Selbstgerechte44. Wie unter den Schülern Epikurs einige, von der Lehre ihres Meisters abweichend, Behagen mit Schwelgerei verwechselten, so mag es auch in der großen Schar der Pharisäer einige gegeben haben, die in der Erfüllung der Gebote Innerlichkeit und Wahrhaftigkeit vermissen ließen. Sicher aber ist, daß die Pharisäer in ihrer Gesamtheit ebensowenig Heuchler und Selbstgerechte waren, wie daß die Epikureer allesamt der Wollust und Schwelgerei ergeben waren. Die Pharisäer haben im Gegenteil Wahrhaftigkeit und Demut in allem Sinnen und Tun gefordert und Heuchelei und Selbstgerechtigkeit scharf getadelt und von ihnen sich ferngehalten. Daß jedoch die Pharisäer in den Sprachen der Kulturvölker zu Heuchlern gestempelt wurden, geht auf die Strafreden der Evangelien zurück, die mit den Worten anheben: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler. Die Gleichstellung von Pharisäern und Heuchlern in den Evangelien erfolgte in einer Zeit, als die Nichtbefolgung des jüdischen Religionsgesetzes christlicher Grundsatz geworden war und das Christentum die Pharisäer als die Hüter des Religionsgesetzes zu bekämpfen anfing. ״Man darf,44 meint Bousset, ״nie vergessen, daß wir in unseren Evangelien keine Beurteilung des Pharisäismus haben, sondern Polemik und Verurteilung seiner schlimmsten Auswüchse2244. So hat die philosophische Gegnerschaft der Stoiker den Epikureer zum Schwelger und Sehlemmer gestempelt und die religiöse Polemik des Evangeliums den Pharisäer in einen Heuchler verwandelt. Das Kapitel über das Verhältnis der Stoa zu den Epikureern schließt Paul Barth mit den Worten: ״Auch in der Philosophie leider, wie in der Religion, gibt es Parteileidenschaft, sogar bei denjenigen Denkern, die alle Leidenschaft verwerfen4‘23. 22 Bousset, Religion des Judentums3 40. 23 Barth, Stoa 175.

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