Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 16)
- Language
- German
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208 Zofja Ameisenowa nicht nur die intime Kenntnis der Haggadah, sondern vor allem die Tatsache, daß der Schreiber am Eingang der Chronik von rechts nach links seine Feder bewegt. Wieso haben sich also die vielen christlichen ikonographischen Details, wie der Skorpion an der Standarte, die Heiligennimben hinter den Köpfen des Tetramorph, Aarons bischöfliche Mitra, in die Dekoration einer hebräischen Bibelhandschrift eingeschlichen? Dies alles ist leicht aus dem damaligen Verhältnis zwischen der jüdischen und der spanischen Bevölkerung zu erklären19. Wissen wir doch, daß schon nach der großen Welle der Judenverfolgungen zwischen 1391—1407 ein jüdischer Maler, Juan de Levi, Kirchenbilder für die Kathedrale von Tarazona und sein Verwandter Guilem de Levi für Zaragoza und Calatayud malten, während Abraham de Salinas und sein Sohn Bonastruch um 1406 anderorts für Kirchen Aufträge ausführten20. ״Es malten in Spanien offenbar nicht nur getaufte, sondern auch ungetaufte Juden Kultbilder für christliche Gotteshäuser und Privatpersonen und es wurde einige Jahre vor der Vertreibung der Juden aus Spanien ein Verbot erlassen, daß Juden derartige Aufträge nicht erteilt und von ihnen nicht angenommen werden dürfen, was die Inquisition durch Malerinspektionen streng überwachen ließ“ — schreibt A. L, Mayer, einer der besten Kenner der spanisehen Kunst21. Es arbeiteten am Anfang des 15. Jahrhunderts so viele jüdische Goldschmiede in Spanien für den kirchlichen Bedarf, daß der Papst Benedikt XIII. in einer Bulle aus dem Jahre 1415 ihnen strengstens untersagte, christliche Kultgeräte: Kelche, Kruzifixe und dergleichen zu verfertigen22 oder 19 Bekanntlich sind gleichzeitig' auch in der Philosophie der Juden (vgl. etwa J. Guttmann, Phil, des Jud. 576) und in ihrem Strafrecht (etwa A. Frei״ mann, Jahrb. der Jüd.״Lit. Ges. XII 258) Einwirkungen der christlichen Um״ weit nachweisbar. I. H. 20 A. L. Mayer, Geschichte der spanischen Malerei. Leipzig 1922, S. 48. 21 A. L. Mayer, in der ״Darmstädter Pessach״Haggadäh“ S. 51. 22 Baer S. 168.