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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 6 · p. Seite 465

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 6
Article
Musik des Ghetto
Date
1936-01-01
Page
Seite 465 (sequence 7)
Language
German
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Musik des Ghetto 465 hinter ihnen dreiiv wieder ein Sackpfeifer und Geiger . . ." Die Musik, die bei solchen Gelegenheiten zu hören war, ist den Zuhörern fremd und unverständlich,, man nennt die Musikanten ״kahle Bierfiedler"15 und ״Lezim" (Schudt übersetzt das mit ״Spötter", es bedeutet aber sowiel wie Spaßmacher, Spielleute)16. Aus Konkurrenzneid (die fremdartig musizierenden Juden übten auf die Bevölkerung ähnlichen Reiz aus wie heute die Zigeunermusik etwa) und Unverständnis machten christliche Musikanten 1651 an die böhmische Statthalterei eine Eingabe, den jüdischen Musikanten das Auftreten zu verbieten, ״da sie die Music confuse verstupfen, weder tempo noch tact führen und der edlen anmutigen Music mit spott ihre aestimation benehmen"17. Der alte Gegensatz zwischen morgen- und abendländischer Musik zeigt sich in solchen Kritiken. Die abendländischen Melodien sind stärker fixiert gegenüber den oben charakterisierten des Morgenlandes, der orientalische Rhythmus ist kompliziert, der westliche ausgewogen, bestimmter. Der abendländische Aufbau, die Form sind anschaulich, der morgenländische Aufbau ist improvisierter, man gleitet in einen Refrain, man gibt Stimmungen und Gedanken nach. Man ist nicht in erster Linie harmonisch begabt, sondern melodisch —־ und auch das empfindet der westliche Europäer. Ersieht man aus Obigem, daß die Musiker des Ghetto charakteristische, mit ihrer Tradition zusammenhängende Eigenheiten behielten, so erlaubt uns eine andere Quelle, zu untersuchen, w a s hauptsächlich das Fremdartige für die außerjüdische Welt war. Diese Quelle ist musikalischer Art — es sind die sogenannten ״Judentänze". Von ihnen muß man zwei Arten unterscheiden. Die eine sind die Tänze der — überaus reichhaltigen — Literatur, die die Musik, die andere, die den Tanz der Juden nachahmen. Denn es handelt sich durchweg wohl um außerjüdische Stücke. Raimund Zoder18 hat hauptsächlich Judentänze zusammengestellt, die der zweiten Gruppe angehören. Er hat Melodien gesammelt und 15 Schudt ״Jüdische Merkwürdigkeiten", auch zit. von Nettl a. a. O. 16 Vgl. Nettl, S. 35. 17 Zit. nach Nettl. 18 Raimund Zoder ״Judentanze" in ״Jahrbuch für deutsche Volkslied* Forschung" II, 1930.

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