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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 6 · p. Seite 463

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 6
Article
Musik des Ghetto
Date
1936-01-01
Page
Seite 463 (sequence 5)
Language
German
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Musik des Ghetto 463 zu singen und musizieren begannen, mußte noch auf die Be״ Stimmung Rücksicht genommen werden, daß kein Jude einer Frauenstimme zuhören durfte (eine besondere Schwierigkeit für jüdisches Theater)7 8. Später allerdings durften Frauen mit Män״ nem zusammen singen, aber keine Soli. Instrumentalmusik galt lange Zeit als etwas Unjüdisches^, obwohl — wie Israel Abra״ hams9 richtig dazu bemerkt — die vielen Hinweise der Bibel gegen diese Anschauung sprechen. Daß die erwähnten Einschränkungen tatsächlich Folgen hatten, sieht man am besten aus der Tatsache, daß — soweit wir sehen — ein großer Teil der feierlichen und volkshaften Ge״ sänge aus arabischem, später deutschem Gut gewonnen ist, vor allem Melodien für עז יר ד, מעלו ת, Interessant ist allerdings die Feststellung, daß die Juden immer in besonderem Maße die übernommenen Melodien umgeformt, etwas Eigenes aus ihnen gemacht haben. Das Charakteristischste ist wohl, daß der Volks״ gesang — textlich und musikalisch — vollkommen religiös blieb. Melodien wurden synagogalen Stimmungen oder häuslichen Feierstunden angepaßt, oder synagogale Melodien wurden ins Haus übernommen. So blieb in der Volksmusik das wesent״ liebste Charakteristikum der kantoralen Tradition bestehen, das in dem aus dem Orient mitgebrachten Gefühl für eine nur in wenigen Punkten fixierte Melodie auf einer Grundskala, die zugleich Motiv ist, und auf kunstvoller Ausschmückung dieser melodischen Linie besteht. Dazu tritt ein für Volksmusik uner״ läßlicher Faktor, der — wie oft bezeugt ist — für die alte Tem״ pelmusik etwas Verachtenswürdiges hatte: der Rhythmus. Dieser Rhythmus hat aber anscheinend die mittelalterlichen Juden auch in anderer Hinsicht interessiert; denn man sieht, daß die ersten aus dem Ghetto heraustretenden jüdischen Künstler Tanzmeister sind, die sicherlich eine lange Tradition hinter sich haben10. 7 Löw ״Lebensalter", S. 309. 8 Jer. Megilla III, 2; T. B. Gittin, 7a. 9 Israel Abrahams (ed. Cecil Roth) ״ Jewish Life in the Middle Ages" London 1932. 10 Vgl. Curt Sachs ״Eine Weltgeschichte des Tanzes", Berlin 1933, S. 200; auch P. Gradenwitz ״Musik der Juden — jüd. Musik" III- (Jüd. Rund״ schau, 17. August 1934.)

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