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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 6 · p. Seite 460

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 6
Article
Musik des Ghetto
Date
1936-01-01
Page
Seite 460 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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460 Peter Gradenwitz Italien also seit 1500, in England seit dem Ende des 16. Jahrh., in Frankreich und Holland seit dem 17., in Deutschland seit dem 18., in der Tschechoslowakei und den Nordländern seit dem 19. Jahrh., und in Rußland erst seit einigen Jahrzehnten1. Das Problem einer ״jüdischen Musikgeschichte“ ist von Zeit zu Zeit immer wieder aufgetaucht, und es fehlt — vor allem in der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart — nicht an Versuchen, den Juden, die doch seit vielen Jahrhunderten, Jahrtausenden zwischen anderen Völkern leben,, nationale Charaktereigenschaft ten in ihrer Musik nachzuweisen. Zu den bereits erwähnten Schwierigkeiten einer nationalen Musikgeschichtsschreibung tritt bei dem jüdischen Volk eine Reihe spezieller Probleme. Zwar hat kaum ein anderes Volk so abgesondert gelebt wie die Juden bis zur Öffnung des Ghetto und ist in derselben Zeit so beobachtet worden (was uns viele Zeugnisse einbringt); aber auch die Assimilationsfähigkeit und Aufnahmelust der Juden war — andererseits — so groß, daß eine wirkliche tiefgehende systematische Untersuchung der außerreligiösen Musik des Ju״ dentums fast unmöglich ist. Aber es ist nicht nur dieses Ab״ grenzungsproblem, das so schwierig für uns ist; es ist auch die Tatsache, daß die Überlieferung so mangelhaft ist wie kaum eine andere in europäischen Ländern. Den größten Teil der religiösen Musik haben wir nur durch eine Tradition erhalten, die das Originalgut immer wieder zu ״modernisieren“ und ״verschönem“ trachtete; und von außerreligiöser Musik haben wir außer einem Schatz von Volksliedern (die ihrerseits wieder zu einem großen Teil anderen Völkern angehören) so gut wie über״ haupt nichts. Die folgende Aufstellung möge verdeutlichen, welche Probleme der jüdischen Musikwissenschaft gestellt sind. Inhaltsübersicht einer jüdischen Musikgeschichte. I. Die Musik des biblischen Israel. II. Die Entwicklung* der kultischen Musik von der Zerstörung* des Tempelzentr ums bis zur Gegenwart. III. Die Musik der aufierreligiösen Sphäre. 1. Volksgesang1: 1 Vgl. Gustav Becking ״Das Problem der nationalen Musikgeschichte“ in ״Logos“ XII (1923), S. 281 ff., und ״Der musikalische Rhythmus als Er״ kenntnisquelle“, Augsburg 1928, 2. Kap. ״Nationale Haltungen und . Lebens״ anschauungen“ S. 83 ff.

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