Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Aschkenaz
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 459 (sequence 5)
- Language
- German
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Peter Gradenwitz: Musik des Ghetto 459 slavische Wort für die Nichtslaven ,.,die Stummen'', weil sie nicht slavisch sprechen)2. Dagegen ist der Begriff ״Deutsch״' erst seit dem achten Jahrhundert nachweisbar. Althochdeutsch diutisk, von diot Volk, war der Name der Stammessprache der fränkischen Heeresgemeinschaft. In der Karolingerzeit ward theodisc Bezeichnung der Amtssprache des fränkischen Reichs. In diesem umfassenden Sinn erscheint es zuerst 786 im Prozeß Karls gegen den Bayemherzog Thassilo. Bereits 845 war in Italien die Bezeichnung gens teudisca und der Volksname Theo־- disci üblich. Die italienische Weiterbildung dieses Namens zu Tedeschi scheint die Annäherung an Aschkenas verursacht zu haben. So läßt sich der Gebrauch von Aschkenas für Deutschland seit dem zehnten nachchristlichen Jahrhundert nachweisen und seine Herkunft aus der Amtssprache der karolingischen Zeit vermuten3. Musik des Ghetto. Von Peter Gradenwitz. Jeglicher Versuch einer nationalen Musikgeschichte stößt auf mannigfache Probleme und Schwierigkeiten, obwohl uns jede Nation einen ganz bestimmten, erkennbaren Charakter zu besitzen scheint. Die Schwierigkeiten liegen vor allem in der Abgrenzung und Erkenntnis der Berührungspunkte zwischen Völkern und in der Ableitung der Nationalcharaktere aus Zeiten, in denen wir noch von keiner spezifischen Physiognomie sprechen, bzw. sie noch nicht ohne weiteres erkennen können. Für die europäischen Völker spricht man im allgemeinen von nationalen Musikcharakteren seit den ״klassischen" Zeiten, in 2 Vgl. das mittelalterliche לא דבר für Speyer (civitas Nemetensis, Ne״ meta, Nemetum, Stadt der Nemeter (russ. nemzy, slavisch nemy, stumm, fremdsprechend). 3 Ich bin dem Herausgeber der Monatsschrift für den Hinweis auf die mir ־unbekannt gebliebene Studie von Samuel Krauss ״Die hebräischen Benennungen der modernen Völker'1 in Jewish Studies in Memory of George A. Kohut. New York 1935, zu besonderem Dank verpflichtet. Krauss״ Annähme, daß hei der Wahl dieser biblischen Bezeichnungen der europäischen Völker die Kenntnis geschichtlicher llrzusammenhänge entscheidend gewesen, erscheint trotz der auf den Nachweis verwandten großen Gelehrsamkeit nicht recht ־wahrscheinlich. 30*