Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Religion und Existenzphilosophie
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 442 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2830015-2830022-2840471--54323-2840505- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
442 Albert Lewkowitz Bereitschaft zum Andern, in der Verantwortung für ihn werde ich ich selbst; . ( , , . r; . Sein als Sein eines Objektes, als Weltsein ־־־־ und Sein als Freiheit, als Selbstseih sind wohl aufeinander bezogen, aber schlechthin unvergleichlich. Was in aller Zeit ist, zeitlos oder gültig ist, ist Objektivität, was sich wählend und entscheidend im zeitlich Geschichtlichen verwirklicht, ist Existenz. In Fragen, die nicht von der wissenschaftlichen Erkenntnis, sondern von der Erfahrung der G renzsit u a t i o n e n des Lebens, des Todes, des Leidens, des Kampfes, der Erfahrung der allgemeinen Nichtigkeit mir selbst gestellt werden, ver״ wandeln sich die Gegenstände zu Sinnsymbölen, zu Chiffr e n der Trahszehde n z, in denen die transzendente Tiefe der menschlichen Existenz sich öffnet. In Bildern und Begriffen, in Chiffren werden die Gegenstände der Existenz zu Symbolen des eigentlichen Seins. Im ursprünglichen Selbstsein erfahre ich Transzendenz. v Weil Wahre Transzendenz; in keinem Falle als Objekt für ein Subjekt, sondern nur als Wirklichkeit für Freiheit ist, so muß jede objektive Fixierung dieses transzendenten Seins zu einem fernen Jenseits oder zu einem verzauberten Diesseits vermieden werden. Die Sinnhäftigkeit solchen Transzendierens der empirischen Wirklichkeit überhaupt wird vom Positivismus geleugnet. Der Positivismus hat die Tendenz, das durch den Verstand als Mechanismus Denkbare für das Wirkliche schlechthin zu halten. :Wird er aufmerksam, daß auf diesem Wege Leben und Bewußtsein unbegreiflich sind, so gibt er wohl diese anderen Formen der Wirklichkeit zu, sucht aber gemäß seinem Wesen doch wieder auch diese Formen mechanistisch zu deuten. Wenn er noch eben die Sprünge im Wirklichen anerkannte, hält er bald wieder ein Hervorgehen des einen aus dem anderen in Übergängen für möglich. Er verabsolutiert, was in einem begrenzten Felde des Seins Wahrheit hat, zu einer vermeintlichen absoluten Erkenntnis. Der Idealismus hingegen leugnet die sinnfreie oder sinnfeindliche Existenz des Wirklichen und setzt alle Wirklichkeit als identisch mit dem Sein des Geistes. Das empirisch Wirkliehe als solches wird nicht־ anerkannt, sondern nur, soweit es