Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 434 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2830015-2830021-2840376--54307-2840454- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
434 Besprechungen Teil sich an die Landesgesetze anlehnt und lange Zeit auch die Kriminal« Justiz umfaßte. Von besonderem Werte sind die Identifizierungen in diesen Urkunden auf tauchender Personen mit: aus der Literatur bekannten Per« sönlichkeiten. Erwähnt seien nur Abraham Bivagch, Verfasser von Derek emuna, Abr. Abencagon, der aus der Grabschrift seiner Frau bei Schwab bekannt ist; ein Sohn des Ramban; Mitglieder der Familie Abudarham; Isak Abarbanel, mit interessanten Einzelheiten; Josef aben Santo — der Philosoph Joseph ben Schemtob; Samuel Halevi, der Minister Pedros ■I.; Yu^af Alfaqui; Culema; Todros b. Meir aus der Umgebung Alfons X., Sal. Abenverga, Verf. des Schebet Jehuda u. a. Daß Christen, u. a. eine Her«, zogin mit ihrem Hofstaat, die Predigten eines Rabbiners besuchten, erfährt man S. 524. Reich ist die folkloristische Ausbeute, vor allem aus den Inquisitions« akten, die übrigens keine durchwegs ablehnende Haltung der Juden gegen die Getauften zeigen. Wir werden Zeugen von Sabbatfeiern, Festgottes« diensten, Tischabeabtrauer, Beschneidungen, Hochzeiten, Leichenbegäng« nissen usw. Wir hören von einer jüdischen Bittprozession mit der Tora nach Art des Fronleichnamstages i. J. 1449 S.. 315. Daß hierbei die Tora herumgetragen wurde, hat wohl seinen Ursprung in den alten Regenbitt« gottesdiensten, wie die Mischna Taanith II, 1 u. ö. beschrieben werden, und Vorbilder in fremden Kreisen, wie etwa in einem allgemeinen Umzuge in Damaskus zur Zeit des schwarzen Todes, in dem, wie die Mohammedaner den Koran, die Christen das Evangelium, die Juden die Tora trugen. Aus einer früheren Zeit als dem 14. Jahrhundert kenne ich auch keinen Beleg für eine andere, bekanntere Prozession mit der Tora außerhalb der Syna« goge, nämlich die Sitte, die Tora dem weltlichen oder geistlichen Fürsten feierlich entgegenzutragen, die wohl darauf zurückgeht, daß (vgl. Mischna Sota VII, 7 f.) der Hohepriester die Tora dem-Könige zu reichen pflegte. Es tauchen ferner bei Baer auf: ein Ritualmordmärchen S. 315, ein solches seltsamerweise in Verbindung mit dem Kappara«Schlagen S. XII und ein Bruchstück einer Copla de Purim S. 537: Aldereor (Vernichter) de Aman bien bien a los fijos de ysrael y mal mal para los de Haman; S. 540 erwähnt ״Coples de Berlin boch e Berlinbau“ (von burlar?); S. 516 das ״echad .mi jodea“. Neben Hamin wird (S. 447) als Sabbatspeise mit Essig zubereitetes Gemüse erwähnt usw. Der S. 365 u. ö. anbefohlene Fried« hofsschutz bestätigt, wie ich glaube, meine Vermutung über die Nagelung jüdischer Leichen in der Monatsschrift a. a. O. 370. Auch der vor einiger Zeit entdeckte älteste jüdische. Friedhof Kölns ״Am dude Jud“ vor dem Severintor in der Bonner Straße weist genagelte Leichen auf. Augenschein« lieh das Werk der Mörder jener Juden, die der Taufe den Märtyrertod vor« gezogen hatten. Übrigens sieht ja auch Dante den Kaiphas ״gekreuzigt an die Erde mit drei Pfählen“. Im einzelnen wäre noch zu bemerken: Die Tekufoth habe ich nicht nur an der S. 545 angeführten Stelle, sondern ausführlicher: Mitteilungen zur jüd, Volkskunde V, S. 37 u. 84 behandelt. Ältere Literatur vor allem Jore dea 116. —Daß die Juden in Spanien im 16. Jahrhundert an Weih«