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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 5 · p. Seite 430

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 5
Article
Zur wissenschaftlichen Talmudpflege in der neueren Zeit
Date
1936-01-01
Page
Seite 430 (sequence 6)
Language
German
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430 Michael Guttiiiann diesem Zusammenhang die Vorlesungsreihe über den Talmud (61 — 120). Nach allgemeiner Einleitung, in der L. den Nach״ weis liefert, daß das Judentum aller Zeiten und Richtungen in letzter Analyse seinem Grundelemente aus dem Talmud ge״ Wonnen hat, geht er zur Mischna über. Diese wird nicht so sehr als Literaturwerk als vielmehr als Epoche behandelt. Er läßt die Hauptgestalten in den Vordergrund treten. Es treten an uns die zeitbestimmenden Ereignisse jener Epoche vorüber, und der Leser oder Hörer befindet sich mitten im Lebensstrom des tannaitischen Zeitalters. In der zweiten Vorlesung übergeht L. auf die amoräische Zeit bezw. auf den Talmud als Ganze, die er ebenfalls zunächst geschichtlich zu erfassen und begreiflich zu machen sucht, bevor er auf den Inhalt selbst zu sprechen kommt. Aus dem reichen Lehrinhalt des Talmuds hebt er die drei Träger des jüdischen Lebens hervor: das Individuum, die Familie und die Gemeinde. An der Hand dieser drei Inhalts״ träger des Judentums läßt er uns einen tiefem Einblick in den Geist des Tajmuds tun. Zu der tiefen Kenntnis, die L. vom Talmud und von der Jüdischen Geschichte hat, gesellt sich auch der Geist des Dich״ ters, der ihn mehr sehen und ahnen läßt, als der trockene alte Text dem weniger geübten Kenner jüdischen Lebens und Schick״ sals zu sagen vermag. Darüber hinaus erkennt L. auch die Kontinuität des jüdischen Lebens und weist auf die Grund״ gesetze reinster Ethik und Moral hin, von denen der Talmud beherrscht ist und die dem jüdischen Leben aller Zeiten trotz großer geschichtlicher Erschütterungen und Strahlenbrechungen den Charakter ungebrochener Stetigkeit verleiht. Im Zusammenhang damit wollen wir noch auf die Tatsache hinweisen, daß das Erscheinen dieses Werkes mit dem 70jähri״ gen Jubiläum seines Verfassers zusammenfällt. J. L. Landau ist einem recht weiten Leserkreis auch seitens seiner Litera^ rischen Leistungen als hebräischer Dichter und Schriftsteller rühmlichst bekannt. Zu den Glückwünschen seiner zahlreichen Freunde und Verehrer wollen auch wir die unsrigen hinzufügen.

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