Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur wissenschaftlichen Talmudpflege in der neueren Zeit
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 425 (sequence 1)
- Language
- German
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Michael Guttmann: Zur wissenschaftlichen Talmudpflegfe. 425 Zur wissenschaftlichen Talmudpflege in der neueren Zelt. Von Michael Guttmann. (Schluß.) III. Einzelfragen. Untersuchungen über die Stellung der Frau im Judentum im Zeitalter der Tannaiten. Heft I Das Ermittelungsverfahren gegen eine des Ehebruchs Verdächtige. Von Dr. phil. Nachum Wahrmann, Bezirksrabbiner zu Öls in Schlesien (1933), M. und H. Marcus Verlag, Breslau. Der Verfasser stellt das in der Halacha einzig dastehende Ordal zur Ermittelung der Unschuld oder Schuld einer des Ehebruchs Verdächtigen systematisch dar, zunächst nach den halachischen Quellen: eine kurze Darstellung des Sota-Verfahrens bei Philo und Josephus ist anhangsweise beigefügt. Der erste Teil soll sich bloß aus dem tannaitischen Material aufbauen, zieht aber auch beide Talmude und die Midraschliteratur heran. — W. macht auf drei Ergebnisse aufmerksam: 1. Der tannaitische Traditionsstoff zeigt dem Bibelwort gegenüber manche Erweiterungen, für die wohl nicht durchweg die praktische Geltung nachweisbar ist, die aber gleichwohl zu einem guten Teil historisches Gut ausmachen. — 2. Die Geschichtlichkeit des Sota Verfahrens wird durch einige von der Traditionsliteratur aufbewahrte Tatsachen erhärtet. — 3. Die sozial-ethischen Motive für Aufhebung des Sotaverfahrens. Wir können ihm in allen drei Punkten nur beistimmen. Der tannaitische Traditionsstoff zeigt ja auch sonst ״Erweiterungen und Ausschmückungen“, wenn man sich mit der rein quantitativen Tatsache zufrieden geben will. Beim Sotaordal ist darüber hinaus auch noch eine Tendenz zur Einschränkung und Aufhebung der praktischen Anwendung des Ordals wahrnehmbar. Die talmudische Tradition möchte alles entfernt wissen, was an das Zauberhafte alter ordalmäßiger Rechtspraxis erinnern könnte. Das Sotaverfahren sollte lediglich der Sittenreinheit des Familienlebens zugute kommen. Nicht bloß die Ehefrau, sondern auch der Verführer soll von der Wirkung des ״bittem Wassers“ betroffen werden. Die alttalmudisehe Tradition for- Monatsschrift, 80, Jahrgang•