Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein aus dem Judentum stammender Professor des Rheinlandes im Anfang des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
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400 Adolf Kober 1798 wohnte er in der Behausung des Gold« und Silber״ arbeiters Baier an der Judengasse und erbot sich öffentlich zur ärztlichen unentgeltlichen Hilfe11. Am 4. Juni 1808 heiratete er Marie Therese Schreck, eine Katholikin, Tochter des Spezerei״ Händlers Jean Adam Schreck, die am 20. 1. 1782 geboren war. Auch seine Kinder Joseph (geb. 1812) und Katharina (geb. 1813) waren Katholiken12. Über seine Konfession schweigen die Akten. Hatte Anschel bis in die Mitte der 90er Jahre dem Mendelssohnschen Gedankenkreise nicht femgestanden13, in der Liste der jüdischen Einwohner von Mainz vom 17. März 1808 ist er nicht mehr zu finden14, ebensowenig aber in dem Tauf״ register des katholischen Pfarramts St, Christoph in Mainz15, in dessen Bezirk er um 1800 wohnte. Trotzdem ist er vermutlich vor 1807 zum Christentum übergetreten; denn das Handschrift״ lieh im Mainzer Stadtarchiv befindliche ״Registre civique de la ville de Mayence 1807" führt Anschel auf als Anschel Francois Frederic, professeur au Lycee; ebenso ist in den Heiratsakten sein Vorname Salomon verschwunden und heißt er Francois Charles Frederic Anschel, docteur en Medicine, professeur au Lycee imperiale et ä Tecole de Medicine provisoire ä Mayence12. Am 10. Januar 1814 ist er gestorben12. Neben seiner medi״ zinischen Tätigkeit spielte er auch in dem Schul״ und Bildungs״ wesen der Stadt Mainz;: das die Franzosen wie überall völlig umgestaltet hatten, eine Rolle1-. An der vom Regierungskom״ missar Rudler 5. J. 1798 eröffneten Zentralschule in Mainz, der obersten Bildungsstätte für das Departement17, die gleichzeitig 11 ״Da bei der jetzt herrschenden Fieber krankheit viele unbemittelte Einwohner hiesiger Stadt um die Verlegenheit, die Bemühungen dies Arztes nicht vergelten zu können, zu vermeiden, sich selbst helfen zu. müssen glauben und ihre Gesundheit äußerst mißhandeln oder gar zugrunde richten, so geb ich ihnen nochmals die öffentliche Zusicherung, daß sie sich ohne Zurückhaltung an mich... wenden können". [Mainzer Zeitg. Nr. CXV vom 2. Juli 1798 (Mainzer Stadtbibliothek)]. Er wohnte später in der Flachs״ marktgasse (s. Anm. 18) und starb im Hause Litt. C Nr. 6, das nach dem;,Guide de la vibe de Mayence" van 1800/1801 in der Rheinstraße lag. ■ 12 ג.־ Stahdesämtsxegister der Stadt Mainz.’ 13 s. o. und Anm. 25. 14 Salfeld, Bilder aus' der Vergangenheit der jüdischen•־ Gemeinde Mainz (1903) S. 72—77. Auskunft des kathJ Pfarramts St. Christoph. 16vBockenheimer 1. c; S. 280 ff. 17 Ib. •S.290 ־ fL