Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 5 · p. Seite 384

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 5
Article
Die Messianische Hütte in der jüdischen Kunst
Date
1936-01-01
Page
Seite 384 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2829132-2830015-2830021-2840366--54240-2840402
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

384 Rahel Wischnit zer ״Bernstein Der Weinkrug auf dem Goldglas des Vatikans kann auf den Wein der Seligen bezogen werden, der Wasserkrug, der auf dast Wasseropfer hinweist, würde wiederum besser zum zweiten Tempel passen. Wenn wir unsere Beobachtungen zusammenfassen, so er״ scheint das Bild auf dem Goldglas des Vatikans als Darstellung des wiederaufgebauten Salomonischen Tempels in den Tagen eines zeitlosen Laubhüttenfestes gut denkbar. Die Vorstellungen vom ersten und vom zweiten Tempel waren verschmolzen. Das mit dem Tempel verbundene Sukkotfest ist in die Zukunft proji״ ziert worden, es versinnbildlicht die verheißene messianische Glückseligkeit. Von dieser Deutung ausgehend, wird die bisher ungelöste Frage des häufigen Vorkommens der Sukkotsymbole in Verbindüng mit dem Tempelleuchter auf den Goldgläsem der Spätantike und auf anderen jüdischen Kunstdenkmälern der Zeit zu behandeln sein; Sukkot deutet auf die Auferstehung hin. Die Sukkotsymbole sind die Symbole des Auferstehungsgedankens16. Die Auferstehung ist nicht immer im religiösen Sinne verstanden, denn die Zukunftshoffnung, so religiös sublimiert sie auch auf״ treten mag, wird in jüdischer Auffassung stets gebunden sein an die Hoffnung auf die Wiederherstellung von Tempel, Tempel״ stadt, Land und Volk. Auch in den Malereien der jüdischen Katakombe Torlonia in Rom treten uns Symbole der messianischen Hoffnung entgegen. Auf dem Kreuzgewölbe einer Grabkammer17 sieht man im Mittelkreis den siebenarmigen Leuchter und um ihn herum, oben, unten, rechts und links in Halbkreisen je einen Delphin. In den Feldern zwischen den Delphinen bemerkt man dreimal den Etrog und einmal ein Horn (Abb. 3). Lietzmann18 betrachtete die Delphine dieses Katakombenbildes, die sich über den Dreizack schwingen, als beziehungslosen Dekor, Greßmann19 deutete sie als Fische der Freitag- 16 Wer *den Etrog in die rechte und den Lulab in die linke Hand nimmt, leugnet damit die Auferstehung, Pelia 73, zit. nach M. Grunwald, Zur Vor״ geschichte des Sukkotrituals, S. 446. 17 Im Cubiculum II. Vgl. Beyer und Lietzmann, S. 10. 18 Beyer und׳ Lietzmann, S. 19. 19 Greßmann, S. 187.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.