Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der Geschichte der Juden in Italien im 18. Jahrhundert
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 2)
- Language
- German
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276 Ephraim E. Urbach Benedikt VIII. (1724-1730), Pius VI. (1775-1799) ihre besondere Aufmerksamkeit den Juden zu, und in den anderen Staaten und Städten Italiens fanden sie gleichfalls keine bessere Behänd״ lung. Die Quellen aus dieser Zeit, in welcher Form sie auch auf uns gekommen sind, bieten lediglich Klagen und Wehrufe. Hier sollen nun zwei hebräische Dokumente2 zur Besprechung3 gelangen, die einerseits das düstere Bild vervollständigen, andererseits auch die Reaktion der Juden auf die Schicksals- Schläge und ihre Rettungsversuche schildern. Das erste Dokument bietet einen Aufruf aus dem Jahre 1758, den der Landesrabbiner von Parma und die Ratsvorsteher der parmensischen Gemeinden an die andern Gemeinden riehteten. Im Eingänge wird über die schweren Prüfungen, die die genannten Gemeinden seit dem Anfänge des 18. Jahrhunderts heimgesucht haben, berichtet. Im Jahre 1728 hatten sie ein Erdbeben zu überstehen, besonders aber wurden sie durch die Wechsel vollen politischen Verhältnisse betroffen4. Bei einem Überfalle auf die Häuser der Juden wurden ihnen die Bücher 2 Ich habe sie beide. ,in• \der;''E^hli(>fhek>^es Breslauer Seminars unter verschiedenen wertlosen Papieren gefunden, zusammen mit einem Exemplar des Sendschreibens über die Vertreibung der Juden aus Prag (1745), das von Grätz im 34. Jahrgange $. 54 dieser Zeitschrift ediert wurde. (Danach ist Steinschneider Geschichtsliteratur der Juden, Nachtrag Nr. 147, zu berichtigen.) Da dieses Exemplar des Sendschreibens wohl• dasjenige von Grätz benutzte ist, stammen! vielleicht auch die anderen beiden, Dokumente aus Halberstamms Sammlung. Genau wie das Sendschreiben über die Prager Vertreibung ist auch unser erstes Dokument, das 4 Seiten in der Größe von 34X23 umfaßt, gedruckt; das zweite 1Y2 Seiten stark, in der Größe von 27X20 ist in zierlicher italienischer Kursive geschrieben. 3 Ich gedenke die beiden Stücke in einer pal: Zeitschrift vollständig zu veröffentlichen; sie verdienen es, ihres Stiles wegen. Der Musivstil scheint um diese Zeit nicht etwas Gekünsteltes, sondern die natürliche Ausdrucksweise gewesen zu sein. In den ernstesten Situationen wurde in diesem Stile, der uns heut fast parodistisch erscheint (vgl. Steinschneider, Monatsschrift, Band 46, S. 177) geschrieben. Einige Proben folgen! in den Anmerkungen. 4 ♦ אומר כולה שלי וזה אומר.כולה שלי ותהי הארץ לפריעה m נשיא אחד ליום Gerade u\m den Besitz der Stadt Busseto — der Ort, in dem dies Dokument entstanden ist — kämpften andauernd die verschiedenen Zweige der Familie Pallavicino, die Farnesi und die Gemeinde von Parma. Vgl. Enciclopedia Itaiiana s. v. Busseto.