Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Vom Sinn des Seins
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorn Sinn des Seins 185 dern empfangen ihren Inhalt vom Lebenswillen. Die sittlichen Ideale der Menschheit sind Ideale des niedersinkenden Lebens. ״Mit Religion, Kunst und Moral rühren wir nicht an das Wesen der Welt an sich", sondern schaffen eine Scheinwelt, um uns das Dasein erträglich zu machen. Die wachsende Tapferkeit und Redlichkeit und das kühnere Mißtrauen des Menschen bejaht die Sinnlosigkeit des Daseins. Der produktive Nihilisraus ist ein Zeichen von Stärke, von Kraft. Er deckt die Immoralität der moralischen Werte auf, enthüllt ihren Willen zum Nichts, die Mittel des Schwachen, um sich oben zu erhalten, ״Menschlichkeit", ״Institution" geworden. Der produktive Nihilismus stellt die Natur wieder her in dem, was ihren inteiligiblen Charakter bestimmt und bezeichnet — im Willen zur Macht. Entgegengesetzt ist die Stellungnahme der d i a 1 e k - tischen Theologie: ״Die Kirche hat ihren Ort an der äußersten Grenze der menschlichen Existenz. Dort, wo die Zeit ihr Ende findet an der Ewigkeit und wo man darum keine Zeit mehr hat; wo das irdische Leben im Tod zunichte wird, und wo sich darum zeigt, daß wir nicht aus uns selbst leben, sondern aus einem Ursprung, der nicht in unserer Gewalt ist; wo unserer Freiheit und Selbstmächtigkeit und Verfügung über uns und über die Dinge eine unüberschreitbare Grenze gesetzt ist, und wo darum offenbar wird, daß wir einen Herrn haben. Man muß sich durch die Botschaft der Kirche an diesen Ort führen lassen, um ihre Botschaft und ihr Sein zu verstehen." (Gegarten: Das Bekenntnis der Kirche S. 5.) Der Widerspruch zwischen dem theologischen und selbst dem religionswissenschaftlichen Denken über den Menschen bezeichnet für die dialektische Theologie die Problemlage der heutigen Theologie. Denn wenn man in einer religiösen Gestimmtheit des menschlichen Geistes oder in einer religiösen Anlage des Menschen, wenn man also im Menschen, sofern er der homo religiosus ist, Göttliches und Menchliches, Gott und Mensch eins sein läßt, dann hat man sich den Weg zur Erkenntnis der Sünde und der Verlorenheit des Menschen und zur Erkenntnis von Gottes Majestät und Gnade, so wie der christliche Glaube von ihm weiß, verlegt. Denn man hat die Überzeugung von der schlechthinigen Souveränität des