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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 3 · p. Seite 171

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 3
Article
Versuch über die Freundschaft im Judentum
Date
1936-01-01
Page
Seite 171 (sequence 2)
Language
German
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Versuch über die Freundschaft im Judentum 171 einer Institution gleich wie die Knabenliebe, auf deren Grunde sie sich erhebt; Sage und Geschichte stellen nicht ein, sondern gleich mehrere Vorbilder der Freundschaft auf (Achilles und Patroklos, Orestes und י Pylades; Alexander und Hephästion usw.) und halten in ihnen die tatsächliche Bedeutung; die sie im!kriegerischen und sozialen Leben einnahm, fest. Sie ist ein beständiges Thema und eine hochgestellte Forderung in sonst einander entgegengesetzten philosophischen Systemen. Nicht nur im Bildwerk halten־ sich Freundschaft und Weisheit umschlungen; in den Akademien und Schulen des Plato, des Aristoteles/ der Pythagoräer, Stoiker und Epikuräer: ist die Freundschaft ein ständig variiertes Motiv,, das unmittelbar in das־ Leben übergeht. Darin folgen sie alle dem Sokrates, der auf den Markt ging, Freunde zu suchen, Freunde der Weisheit und des philosophischen Verkehrs. Im 8. und 9, Buch der Nikomachischen Ethik liefert Aristoteles eine ganze ״Pathologie" der־ Freundschaft;, Gerade er,,der nur definiert; was Erfahrung ihm reicht, hätte sie nicht in allen ihren Abstufungen und Eigenschaften verfolgt, wenn sie ihm nicht so grob! in seinem eigenen Leben und im Leben des Staates gegenübergetreten wäre; Die Kapitel, in denen er über sie handelt, stehen fast am Ende der Ethik. Sie sind;das Verbindungsstück zwischen Ethik und Politik; denn Freundschaft ist Gemeinschaft und reicht soweit wie die Gemeinschaft. Wie die Pythagoräer in ihr die sittlichen Aufbau*־־ Stoffe des Staates, seine Zelle und! Elite zugleich,, dargestellt sehen, so ist sie auch für Aristoteles die den Staat erhaltende Kraft, und den Gesetzgebern ist es darum mehr um sie zu tun als um die Gerechtigkeit. Ein Wort wie dies, daß die Freunde nicht der Gerechtigkeit bedürften, jedoch die Gerechten der Freundschaft, wird sich weder der Absicht noch der Formu- Jierung nach im Judentum finden lassen. In der Schätzung der Freundschaft waren die Römer Schüler des Griechentums; besonders diejenigen unter ihnen, die unter dem Einfluß der Stoa standen. Mag auch bei ihnen die (ptAia zur JtotajcpiAia geworden sein, mag ihnen auch an der praktischen Begründung der Freundschaft mehr gelegen haben als an ihrer ideellen Begründung, aus dem gesellschaftlichen und staatlichen Leben Roms ist sie nicht wegzudenken. Die

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