Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 147 Druckbogen erstrecken, Die Arbeit ist auf eine große, ständig wachsende Zahl von Mitarbeitern verteilt, von denen jeder selbständig vor geht, doch mit dem Bewußtsein! und' dem Bestreben;, für ein gemeinsames Werk zu arbeiten. Außerdem werden! allle Manuskripte von einer Reihe von Fach« mjännern für wichtige Quellen gebiete gelesen, deren Bemerkungen nach Möglichkeit in die endgültige Fassung, der Artikel aufgenommen werden. Dadurch ist dafür gesorgt, daß die verschiedensten Gesichtspunkte der wissenschaftlichen Betrachtung zur Geltung koimimeni. Verschiedenheiten in der Auffassung und! Darstellung werden diurch die letzte Prüfung der Hauptbearbeiter und des Herausgebers ausgeglichen־,, und: man kann■ sagen, daß sie kaum begegnen. Die Leistung verdient volle Bewunderung. Die Artikel! zeichnen׳ sich ebensosehr diurch die Reichlichkeit des Materials wie durch die Fülle der Gesichtspunkte aus, nach denen sie bearbeitet sind1. Kleine Lücken!, die man gelegentlich bemerkt, bedeuten nichts im. Verhältnis zu der Fidle des Gebotenen. Der jüdische Inhalt des Werkes ist naturgemäß sehr bedeutend. Artikel wie ’Aaptov, ’AßaBiov, aßßa, °AßsX—Kaiv, 5Aßpaaji., ctßooaos geben nur zu kurzen Quellenangaben oder Vergleichen Anlaß, während andere ausführ►« liehe begriffliche Auseinandersetzungen bringen׳. Die Verf. stehen auf einem durchaus positivem religiösen Standpunkt; die Darlegungen über alttestament« liehe Worte und Begriffe sind mit derselben Gründlichkeit und Gläubigkeit geschrieben wie die über die neutestamentheheri. Die Behandlung der Zusammenhänge mit dem rabbinischen Judentum zeigt deutlich den Fortschritt, den die Forschung während des letzten Menschenalters gemacht hat; die jüdischen Quellen sind ausgiebig benutzt, das Bild vom Judentum ist weit inhalts« und farbenreicher als das frühere. Wie Entlehnungen sind auch Unterschiede zwischen Christentum und Judentum vorhanden, die Ver« fasser heben sie hervor und1 erörtern sie in sachlicher Weise. Man braucht nicht mit jedem Wort einverstanden zu sein, kann׳ aber aus ihren Darlegungen viel lernen, durch den Widerspruch Anregung zu neuer Arbeit empfangen־. Eine grundlegende Auseinandersetzung über die wichtigsten religiösen Begriffe im rabbinischen Judentum ist — ungeachtet der Zusammenfassung in den neueren enzyklopädischen Werken — ein Desiderat. Wenn man Christentum und Judentum vergleichen will, so׳ kann man zunächst an! der Verschiedenheit der Überlieferung nicht Vorbeigehen. Da heißt es I, 305: ״Jesus hat nicht über die Sünde, ihr Wesen und ihre Folgen geredet“. Das gleiche gilt vielfach von den jüdischen Lehrern. Sie haben über viele uns bedeutsam erscheinende Probleme nicht geredet oder uns wenigstens nichts überliefert, aber doch sicher darum gewußt und entsprechend gehandelt. Es besteht ein sehr wesentlicher Unterschied zwischen dem neutestamentliehen Kanon, dessen Schriften auf ein bestimmtes Ziel hin geschrieben sind oder ein bestimmtes Thema behandeln, auch von. einer bestimmten eschatoliogischen Spannung beherrscht sind, und׳ dem rabbinischen Schrifttum, das ein großes Sammelbecken aller möglichen Äußerungen aus sehr verschiedenen Zeiten und Lagen ist, die vielfach der Zufall zusammen- 10*