Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1936-01-01 · Heft 2 · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
80 (1936)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1936-01-01
Page
Seite 143 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2830015-2830018-2839961--53955-2840058
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Besprechungen 143 Schreibers, des auctor Instrumentalis, als göttlich geoffenbarte Wahrheit zu betrachten,. In der Form und Ausdrucksweise des biblischen Schrift״ Stellers stecken Unvollkommenheiten, die oft auf fertige stilistische Prä״ gungen zurückzuführen sind, Unvollkommenheiten, die ״in dem Augenblick zur Falschheit, zum Irrtum (error obiectivus) werden kann, wo die Er״ kenntnis weiter schreitet". Leo HI. behauptet in einer Enzyklika ״daß die heiligen Schriftsteller oder richtiger der Geist Gottes, der durch sie redete, nicht beabsichtigt habe, den Menschen darüber (nämlich über das innerste Wesen der sicht״ baren Dinge) Belehrungen zu geben, die niemand zum Heile nützen, daß sie daher, statt Naturforschung zu betreiben, die Dinge manchmal beschreiben und behandeln entweder in irgendeiner übertragenen (bildlichen) Redeweise (quodam translationis. modo) oder nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch der damaligen Zeit". So ist z. B. die Schöpfungsgeschichte in der Bibel nicht naturwissenschaftlich aufzufassen, auch nicht als ״vom inspirierernden Geist intendierte Wahrheit" zu beurteilen. Neben geschichtlichen enthält die Bibel auch poetische Schilderungen. Die biblische Urgeschichte (Gen 1—11) ist ״ideale" Geschichte, sie ist eine ideelle Einheit, d. h. eine ״unter einer leitenden Idee durchgeführte, im inneren Aufbau geschlossene thematische Einleitung zur Patriarchengeschichte, die selbst wiederum die Einleitung zur Geschichte des Gottesvolkes Israel bildet",. Der universale Gottesglaube Israels führte zur Darstellung des von Gott geschaffenen Universums, wobei die Darstellung, mit idealer Verkürzung der Zeit״ Perspektive durchgeführt wird. Die ersten Menschen kennen Gott als den Einzigen; so ist die Lehre von der Einheit Gottes fundiert.. Die Völker״ tafel dient zur Darstellung der; Einheit des Menschengeschlechtes. Ethno״ graphisch disparate Stämme werden von einem gemeinsamen Stammvater abgeleitet, da die Namen geographische Benennungen sind und nicht auf materielle Abstammung, sondern auf geographische und politische Ver״ bindurig der Völker untereinander hinweisen. Die Völkerlisten sind der Überlieferung entnomrrien. So ist auch das biblische Zeitschema als idealer Rahmen zu betrachten, innerhalb dessen' der biblische Schriftsteller in großen Einzelbildern, die göttliche Leitung der Menschheitsgeschicke dar״ stellen will. ,Die Sintfluterzählung ist ,nicht als reine Phantasie oder Mythologie zu erklären. Sie ist auf die Erinnerung an eine riesige mesopotamische Flut״ katastrophe in prähistorischer Zeit zurückzuführen.. Selbstredend fehlt es dabei nicht an freien. Zutaten, die im Laufe der Zeit sich mit der Über״ lieferung verbunden haben. Der religiös״ethische Gehalt der biblischen Sintfluterzählung ist für den Geist der Bibel bezeichnend. Die Erzählung von den Gottessöhnen (Engeln), die die Töchter der Menschen heiraten, ist die volkstümliche Darstellung der Abstammung der ״Riesen", als welche man sich die von der Sintflut vernichtete Menschheit dachte. Der frag״ mentarische Charakter der Erzählung deutet darauf hin, daß ein fertig vor״ liegendes Stück angeführt wurde. Die einzelne Erzählung dient dem Verf.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.