Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neue Schriften zum Maasse-Buch [Rezension]
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 2)
- Language
- German
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Bespr echun gen» 129 köstliche Proben aus dem MB. in "Umschrift wiedergegeben. Und jetzt werden uns innerhalb eines halben! Jahrzehnts drei Übersetzungen beschert; dazu! eine gediegene Arbeit von Meitlis über seine Entstehung, ferner eine religionsgeschichtliche Untersuchung von Gulkowitsch über den Chassid in der Maassioth״Literatur. I. Entstehung. Nach gewissenhafter Untersuchung aller Druckausgaben des MB. kommt Meitlis zu dem Ergebnis,, welches auch von Gaster und Gulkowitsch ge״ billigt wird, daß die Baseler Ausgabe, 1602, als Editio princeps anzusehen ist. Wohl kündigt das Vorwort mehr als 300 Erzählungen an, während bloß 250 geboten werden. Deshalb meinte Steinschneider, die Baseler Aus״ gäbe habe eine frühere italienische obgedruckt, gekürzt und das Ursprung״ liehe Vorwort gedankenlos beibehalten; da sich jedoch von einer vorher״ gehenden Ausgabe keine Spur nachweisen läßt, erklärt Meitlis den Wider״ spruch durch die Annahme, daß die Sammlung ursprünglich über 300 Stücke umfaßt habe, daß aber aus Raummangel manches unterdrückt werden mußte, doch das Vorwort unverändert blieb. Meitlis weiß dafür auf Schluß״ reiche Beispiele. Richtig stellt Meitlis fest, daß Jakob ben Abraham aus Meseritsch in Litauen nur als Herausgeber des MB. ׳anzusehen! ist, nicht als Sammler, geschweige als Verfasser. Dieser Feststellung stimmt auch Gaster (I, XXIX) bei. Eingehend gewürdigt wird Ausg. Amsterdam, 1701; vom. Herausgeber Ascher Amschel b. Eliezer Chazan gewinnen wir ein lebhaftes Bild. Noch dankenswerter, daß Meitlis sich der nicht geringen Mühe unter״ zog, Handschriften der Maasseliteratur in ihrer Beziehung zum MB. ein״ gehend zu untersuchen. Dem Bearbeiter des Münchener Cod. Hehr. 100 Isaak Reutlingen, widmet er eine förmliche Monographie. Meitlis belehrt uns über deutsche oder europäische Stoffe, die jiddisch bearbeitet wurden. Das MB. entsteht in der Blütezeit des deutschen Volks״ buches im XVI. Jhdt. als Gegen״ und Ersatzliteratur für das ״eitle Ge״ schwätz'" der bloßen Anekdoten und Schelmenstreiche. Ähnlich hatte ja audh Nissims Chibbur Jafe die!muslimischen Trostbücher durch ein jüdisches zu verdrängen. Berichtigungen und Ergänzungen zu Meitlis. Zu S. 10: Es ist durchaus phantastisch, anzunehmen, ״daß es in der ausgehenden jüdischen Antike . . . einen Stand von Sagen״ und Geschichten״ Erzählerngegeben . . . Männer . . . die sich ausschließlich der Kunst des Erzählens widmeten und daher den Namen Agadisten. oder Männer der Agadaבעלי אגדה führten‘". Vorerst sind die Aggadisten nicht Volkserzähler, sondern Schulgelehrte. Dann auch sind die Tannaiten nicht in Aggadisten und Halachisten zu scheiden. Darüber wurde schon Renan durch Bacher belehrt. Ag. Tan. II. VIII. Unbegründet scheint es auch, daß bei! Juden, Arabern, Indern ״der Glaube an diese Geschichten etwas unbedingtes“ sei. Inder glaubten nicht an Pantschatantra׳, Araber nicht an 1001 Nacht, Juden nicht an die Geschichtlichkeit der Aggadas, die ja einander oft wider״ Monatsschrift, 80. Jahrgang 9