Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 80 (1936)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine vermißte Schrift Farabis
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine vermi&te Schrift Farabis 105 die meisten Zusätze Falqeras der ihn charakteristisch von Faräbi unterscheidenden Tendenz entstammen, die Übereinstimmung der Lehren der Philosophie mit denen des Gesetzes zu erweisen. Diese Tendenz ist oben an Beispielen aus seiner Bearbeitung von Ih?ä al-'ulüm aufgewiesen worden. Sie zeigt sich auch in seiner Bearbeitung des Tah?iP4. Dem widerspricht nur scheinbar die Tatsache, daß sich im Tah?1l (43, 9—17) eine Erklärung von ״Imam''‘ findet, die Falqera unübersetzt gelassen* hat; denn mit diefedr Erklätftiftgf verfolgt Faräbi di$,;durchaus. nicht *gläubige/ * sondern ' philosophische Absicht, von den islamischen Gegebenheiten zur Platonischen Lehre vom. Philosophen-König weiter- und fortzuführen: ״Die Bedeutung von Philosoph und Erster Führer und König und Gesetzgeber und Imam ist eine und dieselbe/' Da also Farabis Buch über die Tendenzen des Platon und fies Aristoteles zu rekonstruieren ist, und da seine Encyclopädie <|er, Wissenschaften, sein ״Musterstaat" und sein Buch von den politischen Leitungen ediert sind, so sind seine zentralen Schriften erhalten und zugänglich. Die Interpretation seiner Lehre ist also möglich. Daß sie aber notwendig ist, dafür ist ein zulänglicher Beweis die Äußerung M a i m u n i s über den ״zweiten Lehrer". Maimuni schreibt an den Übersetzer seines Moreh nebuchim: ״Beschäftige dich mit keinen anderen logischen Büchern als mit denen, die der Weise Abu Na?r al-Faräbi verfaßt hat. Denn alles, was er verfaßt hat, überhaupt, und im besonderen sein Buch ,Die Prinzipien der Dinge'15 — alles ist reines Mehl." Und er fügt alsbald hinzu, daß die Bücher Ibn Sinas, bei allen ihren Vorzügen, nicht mit denen Farabis zu vergleichen seien. Es wird Zeit, daß aus dieser maßgeblichen Erklärung über die wahrhaften Größenverhältnisse die Folgerungen für das Verständnis der islamischen und jüdischen Philo- Bemerkung Falqeras sicher gestellt wird; daß des vorangehende Referat über Platons Politeia seiner Vorlage entstammt״ 14 Vgl. insbesondere die Zusätze 69, 13—15 und ■71, 11—13. 15 Der authentische Titel dieses Buches ist: ״Die politischen Leitungen“. Es besteht aus zwei Teilen, deren erster die Hierarchie des Kosmos; deren zweiter die Hierarchie der Stadt behandelt. In derselben׳ Weise aufgebaut ist das Buch vom׳ Musterstaatr das in dien! Handschriften׳ des British Museum und der Bodleian Library schlechthin als ״politisches Buch“ bezeichnet wird.