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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 6 · p. Seite 415

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 6
Article
Das messianische Gastmahl der Gerechten in einer hebräischen Bibel aus dem XIII. Jahrhundert
Date
1935-01-01
Page
Seite 415 (sequence 7)
Language
German
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Das messianische Gastmahl d. Gerechten in einer hebr. Bibel 415 sane referenda videtur; jam mallem eam ad aliquam ex animalium fabulis revocare, omni sed illo maxime tempore apud Judaeos tritissimis“ In Wahrheit haben die beiden beschriebenen Miniaturen nichts mit den Tierfabeln oder mit irgendeiner romanhaften, jüdischen Belletristik des Mittelalters gemein. Dafür sind sie aufs engste mit den religiösen Ideen des mittelalterlichen Judentums verbunden und zwar wuchsen sie aus der messianischen Erwartung heraus, welche die bedrückten Einwohner der Ghettos immer wieder begeisterte. Die beiden Szenen enthalten zusammengepreßt den gesamten Komplex dieser Vosrtellungen, welche auf den Tag der Ankunft des Messias und die Wiederkehr der paradiesischen Seligkeit bezogen wurden und haben ihr genaues Gegenspiel in der literarischen Tradition. Der Messianismus, der Glaube an die Ankunft eines gottgesandten Menschenerlösers und die Rückkehr des goldenen Zeitalters, ist nach Greßmann in der Zeit zwischen Gideon und David entstanden, kommt aber erst in den Büchern der Propheten zur vollen Entfaltung13. Später sind die eschatologischmessianischen Vorstellungen in den Volksmassen immer lebendiger, je trostloser sich die politische Geschichte der Juden gestaltet. Sie überdauern die römische Invasion, den Untergang des Staates, die Zerstörung des Tempels und erleben eine besonders starke Nachblüte im Zeitalter Christi und des jungen Christentums. Der messianische Glaube vereinigt in sich drei Tendenzen: die eine religiöse, auf die sittliche Idee des ewigen Friedens und der göttlichen Gerechtigkeit gerichtete, der Propheten; die zweite, politische und expansive, welche je nach den Zeitumständen auch eine dynastische Zuspitzung und Auslegung bekam; als dritte, verbreitetste, die mythologische, welche die den verschiedenen Völkern Vorderasiens gemeinsamen Mythen vom Anfang und Ende der Welt, von Wiederkehr des goldenen Zeitalters unter der Herrschaft des Parakleten, zusammenfaßte und ihnen ein einheitliches, den Bedürfnissen des Judentums angepaßtes, visionäres Gepräge verlieh. ״Ein buntes Gemisch vom Bukolischen und Beduinischen, Spekula- 13 Greßmann, Hugo: Der Messias. 1929, S. 272—282.

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