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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 340

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1935-01-01
Page
Seite 340 (sequence 2)
Language
German
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340 Besprechungen wort von Prof. Karl Alexander von Müller. Verlag Duncker & Humblot, München 1934 (201 S.). Grau nimmt das überaus reiche; Quellenmaterial,, das zur :Geschichte der Regensbwger Judenaustreibung v. J. 1519 vorhanden ist, zur Grund״ lege seiner Studie. Er schreibt sie von dem Standpunkte aus, den Karl Alexander von Müller im Geleitwort formuliert hat: ,,Die Geschichts״ Wissenschaft ist vor andern verpflichtet mitzuarbeiten an der politischen Erziehung unseres Volkes"; ihre Aufgabe ist es u. a. ״unseren Willen, unsere kämpferische Leidenschaft für Gegenwart und Zukunft zu stählen." Grau behandelt seinen Gegenstand, indem er zuerst die Juden gemeinde zu Regensburg als eine Welt für sich darstellt, sodann das Wirtschaftsleben und die Juden, wobei er die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der christlichen Stadt, das jüdische Wirtschaftsgebaren!, den christlichen Früh״ kapitalismüs und die jüdische Wirtschaftsführung, den jüdischen Reich״ tum und den wirtschaftlichen Antisemitismus schildert. Weitere Kapitel behandeln die Kirche und die Juden, wobei er zwischen dogmatischem Gegensatz, wirtschaftsethischem Gegensatz und religiösem Antisemitismus unterscheidet, die Politik um Juden, die von den Herzogen von Bayern, dem Kaiser, dem Rat, den Bischöfen gemacht wird, aber auch die Politik der Juden. Der letzte Teil seiner Ausführungen schildert den Kampf gegen die Juden, die Motive, die Erscheinungsformen und ihre Austrei״ bung. Die Austreibung i. J. 1519 war nach Grau der einzige Ausweg aus den sozialen Nöten; trotzdem schließt er sein Buch mit dem Satze: ״Die Judenfrage war nicht gelöst worden." Seine wichtigsten Quellen sind die Regensburgische Chronik von Carl Theodor Gemeiner (1.—4. Bd.r Regens״ bürg 1800—1842) [für ihre Beurteilung s. O. Stobbe, Die Juden in Deutsch״ land... 1866, S. 67], die Schrift des Benediktinermönches Ostrofrancus, das bedeutendste literarische Dokument des Antisemitismus aus dem damaligen Regensburg nach Grau selbst, Flugblätter, Volkslieder, die Predigten: des Petrus Nigri. Aus der Sympathie für seine Quellen erklärt sich vor allem seine Beurteilung des jüdischen Wirtschaftsgebarens und der sittlich״reli~ giösen Einstellung der Regensburger Judenschaft. Trotzdem er in bezug auf die Ritualmordbeschuldigung zugesteht, daß der überlieferte Stoff mehr Fragen: als gesicherte und zweifelsfreie Erkenntnisse zutage fördert, er״ scheint ihm ein Verfehlen gegen das jüdische Gesetz im Sinne des Ritual״ mordes historisch nicht unmöglich und die Geständnisse der Gefolterten keineswegs wertlos. Durch die Impulse der Gegenwart beeinflußt, spricht er auch über die tatsächliche Wirksamkeit des Rassengegensatzes in jener Zeit. Manches Kapitel ist Grau gelungen; alles in allem aber ist ihm das Judentum! eine fremde Welt geblieben. Bei dem Satz ״Die Führung des Gemeinderates lag in den Händen eines ,Rabo*..." liegt wohl ein Schreib״ fehler für Rabbi vor. Für eine ernsthafte Geschichte des Judentums in Deutschland findet von Müller Literatur in meinem Aufsatz ״Die Geschichte der deutschen Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre" [ZS. f. d. Gesch. der Juden in Deutschland; 1,1929, S. 13—23] wie überhaupt

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