Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Folkloristische Beiträge
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 11)
- Language
- German
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332 J. Bergmann Gleich der Ansprache, die der Mensch an seinen Nebenmenschen richtet, wird auch das Gebet, des Menschen Zwiesprach mit Gott, von einer bestimmten Körperhaltung und einem bestimmten Mienenspiel begleitet. Die Gebetsgesten sind, sofern sie nicht Ausdruck der Ekstase sind, zum großen Teile Huldigungssitten, die aus dem Profanen ins Religiöse übertragen worden sind. In der gleichen Haltung wie der Knecht vor seinem Herrn oder das Kind vor seinem Vater, steht der Mensch vor seinem Gotte, um mit ihm im Gebete Z wiesprach zu führen. V. R. Pinchas b. Jair. Zu den Tieren, die besonders in den Ebenen Palästinas großen Schaden irri Getreide anrichten, gehören vor allem die Feldmäuse. Sie treten in der Reifezeit des Weizens massenweis auf und schleppen die abgebissenen Ähren in ihre Löcher, um sie dort allmählich zu verzehren. Schädlinge des Getreides sind in Palästina auch die Ameisen, die zur Zeit der Ernte die Getreidekörner in die Löcher schleppen. Bezeichnend ist die Art, in der die Beduinen am Tiberiassee noch in der Gegenwart gegen die Ameisen sich wehren und ihren Abzug von der Tenne durch Beschwörung zu erlangen suchen. Der Beschwörer nimmt zwei Ameisen, tötet eine, hält sie der lebenden entgegen und spricht: ״Beim Leben dieser Ameise und beim Gott der Ameisen[ Ich beschwöre dich bei der Grausamkeit des N. N. — eines berüchtigten Zehntpächters — daß du von diesem Platz fortgehst/' Darauf werden beide Ameisen in den Ameisenhaufen geworfen. Die gleiche Handlung wiederholt man siebenmal.39.' Von der Abwehr einer Mäuseplage, die zur Zeit des R. Pinchas b. Jair das Getreide eines Ortes in Palästina vernichtete, erzählt auch die Agada. R. Pinchas b. Jair kam nach einem Orte, in dem die Mäuse äh dein Getreide Schaden angerichtet hatten. Er befahl den Mäusen, daß sie sich versammelten. Hierauf fingen sie an zu pfeifen. Der Fromme fragte dann die Ortsbewohner: Verstehet ihr, was sie sagen? Sie antworteten: Nein. Und er sprach zu ihnen: Die Mäuse sagen, daß dasvGetreide nicht verzehntet sei. Sie sprachen darauf zu ihm: So ver- 39 Dalman, Arbeit und Sitte in Palästina II 341, 343.