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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 323

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 4
Article
Folkloristische Beiträge
Date
1935-01-01
Page
Seite 323 (sequence 2)
Language
German
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Folldoristische Beiträge 323 breite und gab soviel Gold für das Heiligtum, soviel ihr Kind an Gewicht zugenommen hatte* 2. In Prag pflegte ein jüdischer Vater vor jedem Wallfahrtsfeste seine Kinder zu wiegen und ihr Gewicht in Fleisch den Armen zu geben. In Osteuropa spen״ det die jüdische, Mutter am Geburtstag ihres Kindes dessen Ge״ wicht in Brot für Bedürftige3. So spendeten jüdische Eltern aus Dankbarkeit und Freude über das Gedeihen ihres Kindes dessen Gewicht in Gold, Silber, Fleisch oder Brot für Arme. Das Gelübde״ oder Dankopfer für das Gedeihen des Kin״ des war auch bei anderen Völkern üblich. Im semitischen Orient gelobt ein Mann, wenn der Heilige ihm einen Sohn schenkt, das Gewicht des Sohnes in Silbermünzen darzubringen4. Für die glückliche Geburt seines Sohnes schickte Kaiser Karl IV. der Mutter Gottes zu Aachen zwölf Pfund Gold, soviel als sein Kind bei der Geburt wog5. Nicht nur das Gewicht des Kindes selbst, sondern auch das Gewicht seines Haares wurde gespendet. So war es bei den Ägyptern Sitte, zu Ehren der Götter den Kindern den ganzen Kopf, die Hälfte oder ein Drittel zu scheren und die abgeschnit״ tenen Haare mit Silber aufzuwiegen, das für den Unterhalt des Gottes bestimmt wurde6. Wenn bei den heidnischen Arabern das Haar eines Kindes zum ersten Male geschoren wurde, wurde ein Fest veranstaltet und das Gewicht des Haares in Gold oder Silber den Armen gespendet7. Die gleiche Sitte findet sich bei den Juden im . Orient. An dem Tage, an dem das Haar des Kindes zum ersten Male geschoren wird, feiern die Juden in In״ dien ein Fest, bei dem sie das Gewicht des Haares in Gold oder Silber für die Synagoge oder die Armen spenden8. , 2 Joma 38 b, anders Echa r. zu 116. Vgli. Abrahams» Jewish life in the middle ages 312, Note 1, wo die Worte לבית המקדש (Joma 38 b) oder לשמים (Echa r. zu 116) ungenau mit ״of the paar“ übersetzt werden. 3 Abrahams 312; Resumot I2 370. 4 Gurtiss, Ursemitische Religion 176. 5 Alt, Der christliche Kult, Berlin 1843, 123. 6 Paul Scholz, Götzendienst und Zauber wesen 57. 7 Lane, Sitten und Gebräuche der heutigen Ägypter, übersetzt von Zenker, Leipzig 1852, I 47 Note 1. 8 Sappir II 47.

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