Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Arbeiten zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 13)
- Language
- German
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272 Besprechungen höchsten Anforderungen stellten. Das Buch Professor Kischs ist der hoch« wertigste, aus den1 ersten Quellen geschöpfte, Beitrag zur jüdischen Kultur« geschichte in neuester Zeit. Louis Lewin. J. Lichtenstein, Racine P o e t e B i b 1 i q u e. Preface de Gustave Kahn. Paris, Librairie Lipschütz, 1934. XVI u. 248 S. An Arbeiten über die Beziehungen Racines zu den biblischen Quellen hat es nicht gefehlt; es seien genannt: Coquerel ״Athalie et Esther de Racine avec un commentaire biblique" und) L'Abbe Delfour ״La Bible dans Racine". Über sie hmausgehend, will L. dartun, wie treffend der Geist der jüdischen Lehre und die Sitte des jüdischen Volkes i!n den bedeu« tendsten Dramen Racines wiedergegeben werden. Er führt daher sehr reichlich das Material aus Talmud, Midrasch, Targum Scheni, Maimonides u. a. m. an, das den christl Forschern unbekannt war. Sicherlich hat Racine diese Literatur garnicht gekannt; sein dichterisches Einfühlungsvermögen hat ihn aber die jüdische Seele erahnen lassen. ״Lauteur a admirablement rendu le fond et la forme, la lettre et Tespitit de la Muse hebraique. S'il s en esfc elioigne parfois, c est pour aiinsa diire malgre lui: la Convention et le milieu ly avaient pousse" (S. 217). Manches erklärt sich gewiß aus des Dichters religiöser Erziehung. Mit Recht stellt daher Lichtenstein im ersten Kapitel seiner Arbeit die religiös«moralische Entwicklung Racines dar; er betrachtet sodann die Behandlung des Problems der göttlichen Vorsehung in der französischen Dichtung bis auf Racine. Es folgt ausführlich das Schicksal der Esthergescbiichte in der jüdischen, 'frühchristlichen! und fran« zösischen Literatur. Das nächste Kapitel ist den politischen, moralischen und religiösen Anschauungen gewidmet, die in ״Esther" und ״Athalie" besonders zum Ausdruck kommen: Theokratie und Königtum, Glaube und Gottlosigkeit, Priestertum und Prophetie; dabei werden^ um Begriffe , zu klären und falsche Auffassungen zurückzuweisen, ältere und! neuere Autoren reichlich hexangezogen: Herder und Renan, Voltaire und! Saihte« Beuve, Jehuda Halevi und Achad haam u. a. Eingehend untersucht L. so« dann den biblischen Stil Racines; besonders gelungen ist der Nachweis, wie dieser die der europäischen Literatur unbekannte dichterische Form des Parallelismus aus der biblischen Poesie übernommen hat. Das letzte Kapitel betrachtet einige poetische Schöpfungen, die unter dem Einflüsse von Racines biblischen Dramen entstanden sind, darunter David! Franco Mendes' hebräisches Schauspiel ״Geinul Athalia" (Amsterdam 1770). Ein interessanter Vergleich zwischen Racines und Victor Hugos biblischen Dichtungen beschließt die inhaltreich© Arbeit. Häufig sucht L. die jüdische Überlieferung gegen ’Mißverständnisse und Übelwoüeni zu verteidigen^ wie sie in der einschlägigen Literatur zum Ausdruck kommen. So widerlegt er die Behauptung, die Bezeichnung Gottes als Vater der Menschen sei rein christlich; aber man kann doch bezweifeln, ob in einem Buche ״Racine Poete BiMique" die richtige Stelle ist zu einem Exkurs über die Pädagogik des Talmud^ zu seitenlanger Wiedergabe von Midrascherzählungen über Mardochai und Haman, zu ausführlicher Polemik gegen moderne Deutungen des Pürimfestes und gegen*