Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdische Übersetzer am Hofe Karls I. von Anjou, Königs von Sizilien (1266-1285)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 2)
- Language
- German
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Jüdische Übersetzer am Hofe Karls I. von Anjou 247 Tradition, und König Karl I., der seine Herrschaft an die des Stauferkönigs Manfred setzte, knüpfte an die Verwaltungspraxis der vorigen Dynastie an. In dem Gebiet dieses Staates lag die bedeutendste medi״ zinische Fakultät des Mittelalters, Salerno; die von Kaiser Friedrich II. gegründete Universität Neapel nahm die Überliefe׳- rang dieser alten Hochschule wieder auf. Auch König Karl I. legte Wert darauf, das ärztliche Wissen seiner Zeit zu bereichern. Es war ihm bekannt, daß die Araber in ihrer medizinischen Literatur das christliche Abendland über״ trafen. Um sich aber ihr Wissen nutzbar zu machen, bedurfte es Männer, die über Sprachkenntnis verfügten, und diese fand er in den gelehrten Juden, die in dem von ihm eroberten Staat seit langem ansässig waren. Im Jahre 1270 hatte König Ludwig IX., der Heilige von Frankreich, der Bruder Karls I. von Sizilien, einen Kreuzzug nach Tunis unternommen, auf dem er geblieben war. Seitdem unterhielt Karl Beziehungen mit den Herren von Tunis, die zu Abmachungen mit Abu״Zakarya Jahjä7 der den Beinamen Al Watlk trug, führten. Dieser Fürst herrschte von 1277 bis 1279 in Tunis* 2. Die günstige Gelegenheit benutzte König Karl, um sich ein Exemplar des El Häwi von Razes zu erbitten. Dieser persische Arzt, mit seinem eigentlichen Namen Abu Bekr Muhammad ben Zakarya Alrazi, stammte aus Raj in Chorasan und starb in Bag״ dad wahrscheinlich 9323. In diesem Werke, das eine medizinische Enzyklopädie dar״ stellt, hat der Verfasser das ganze ärztliche Wissen zusammen״ getragen, das sich von der Antike bis zu seiner Zeit angesam״ 7 Vgl. hierzu: Paul Durrieu: Un portrait.de Charles Ier cf Anjou, frere de Saint Louis, peint ä Naples en 1282 par le miniaturiste Jean moine du Mont-Cassin dans un manuscrit aujourdhui׳ ä lia bibliotheque nationale de Paris. (Gazette archeologique recixedl de monuments pour servir ä la connaissanoe -et ä Phistoire de Part dans Pantiguite et le moyen äge Bd. 11/1886), & 192 ff. 3 Vgl. hierzu Lucien Ledere: Histoire de la medecine ar&be. Bd. I, Paris 1876, S. 337; ferner Ludwig Choulant: Handbuch der Bücherkumde für die ältere Medizin. 2. Aufl. Leipzig 1841, S. 340,