Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 3 · p. Seite 224

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 3
Article
Zur Mathematik in Bibel und Talmud
Date
1935-01-01
Page
Seite 224 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2830007-2830011-2839530--53433-2839576
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

224 Alfred Loewy Zur Mathematik in Bibel und Talmud. Von Alfred Loewy s. A.1 (Freiburg i. B.). Die Bibel, die nur religiöse Belehrung bezweckt, ist keine Quelle mathematischer Erkenntnis. Der Zahlbegriff der Bibel ist ein bloß rhetorischer2 ohne Rücksicht auf ökonomische Schreib״ und bequeme Rechnungsweise. Doch findet sich die stenographische Zahlbezeichnung schon Jes 1019 mit den Worten angedeutet: ״Die übrig gebliebenen Bäume seines Waldes werden wenig an Zahl sein, und ein kleiner Knabe kann sie hinschreiben/4״ Tatsächlich wäre es nicht zu verstehen, daß hier an die sonst in der Bibel übliche rhetorische Zahlbezeichnung zu denken ist, weil in Buchstaben עשר nicht einfacher als אלף oder רבבה niedergeschrieben wird, während für ein Kind die stenographische Bezeichnung bei Belegung der Buchstaben des Alphabets mit Zahlwerten, falls es sich um eine kleinere Zahl statt um eine größere handelt, leichter ist, z. B. verlangt das Schreiben des hebräischen Buchstabens י für zehn keine besondere Überlegung, während für dasjenige von höheren Zahlen die 22 Buchstaben des Alphabets nicht mehr ausreichen, sondern neue Kombinationen oder Symbole erforderlich werden3. Die berühmte Bibelstelle vom ehernen Meer im Tempel des Königs Salomo I Kg 72a; II Chr 42: ״Und er machte das Meer, gegossen, zehn Ellen von einem Rande bis zum andern, gerundet ringsum, und fünf Ellen in der Höhe, und ein Faden von dreißig Ellen umfing es ringsum4״ möchte ich, wie ich schon an 1 Der hochverdiente Verfasser ist leider,, kurz nach Absendung dieses Aufsatzes, der Wissenschaft und dem Judentum entrissen worden. Ehre seinem AndJenken! Die SchriftJeitimg. 2 Vgl. A. Loewy, Über die Zahlbezeichnung in der jüdischen Literatur, Jeschur un, XVII. Jahrgang, S. 202, Berlin 1930, umgearbeitet in Scripta mathematica (s. u.) Vgl. weiter S. Gandz, Hebrew numerals, Proceedings of American academy for Jewish research, vol. IV, 1932— 1933, p. 53. 3 Die hier vor getragene Auffassung entspricht der durch Rabh über« mitteiten talmudischen Überlieferung (Talmud babli, Synhedrin, fol. 95 b), daß es sich um die Zahl zehn, jo<d, handelt, also um den am einfachsten zu schreibenden Buchstaben des hebräischen Alphabets.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.