Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Um das Gebot der Nächstenliebe
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Um das Gebot■ der-- Nächstenliebe 223 geben, abergast^ht. ggschrieberi, daß wir unseren Freunden vergeben sollen Nicht zuletzt wird christlicherseits manches gegen eine Liebe vorgebracht,. die wie die universell-humanitaristische Menschenliebe dein •.Menschen an sich gilt, einem beliebigen Mensehen, ahne daß sie den bekannten, bestimmten Menschen, den Menschen des eigenen Kreises an erster Stelle berücksichtigt41. Man.kann: sogar die Empfindung haben, daß eine Liebe, die den Nächsten, . d.. h. hier wirklich den Zunächststehenden, überspringt und sich dem Übernächsten anträgt, aus Motiven hervorgeht, die moralisch nicht stichfest sind. In der Liebe, die an den Menschen des eigenen Kreises sich wendet, liegt geradezu die Gewähr dafür, daß auch die in größere Kreise hinausfließende Liebe des echten sittlichen Geistes voll ist, wobei noch nicht bedacht ist, daß man nur von einem nahen Menschen, den man genauer kennt, auch weiß, welcher Art seine Not ist und wie man ihr abhelfen kann, wohingegen eine der Menschenallheit sich bereitende Liebe bisweilen nichts mehr ist als ein inneres Bereitsein zur Liebe, ein allgemeines Wohlwollen, das sogar echte Gefühlsandacht bedeuten kann als die ״Sympathie“, die zu den Sternen leitet und das Auge nach oben lenkt, aber eben deswegen für die kleine Erdennot des. Allernächsten keinen Blick hat. 40 In Bacon, Essays cap. 4. 41 ״Ein stark revolutionärer, ein aufständischer Affekt und1vor allem ein alle objektiven Wertunterschiede des Menschlichen nivellierender Affekt ist diese moderne sog. Liebe zur Menschheit — ein Wort,, das die christliehe Sprache nicht kennt .... Daraus resultiert auch ihre unorganische Art zu vereinheitlichen^ zu unitarisieren und zu zentralisieren, <L h. auszulöschen die gottgegebenen, besonderen, eigenartigen Bestimmungen der Individuen, Stände, Völker,, Nationen zugunsten eines Allerweltsbreis von Menschheit, eines Meruschhedtsstaates, einer Weltrepublik usw. Daher kommt auch ihre gefährliche Richtung, ohne weiteres den ja nur größeren, umfassenderen Kreis als Liebesobjekt auszuspielen gegen den engeren (z. B. Menschheit gegen das Vaterland, Nation und Nationalstaat gegen Stamm und Stammesstaat usw.)“ Max Scheler Vom Ewigen im Menschen, Bd. 1, S. 140, 141.