Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 185

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Zu Hermann Cohens Spinoza-Auffassung
Date
1935-01-01
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839349--53380-2839493
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Hermann Cohens Spinoza«Auffassung 185 Die Auswertung der Variantentabelle ergibt/ daß bei der überwiegenden Mehrzahl aller Änderungen in der zweiten Auf״ läge Cohens Feder von einem heftigen Affekt geführt, wird. Spinozas ״sub specie aeternitatis" wird nun in ironische Anfüh״ rungszeichen gesetzt; die sachliche Verurteilung, daß er keine Ethik wolle, wird dahin vergröbert, daß er das Gegenteil von Ethik wolle usf. Andererseits findet sich an einer Stelle (173: 199) eine Milderung in der zweiten Auflage, nämlich um den gemeinten echten Begriff der Ethik transzendentalphilosophisch zu bestimmen. Den systematischen Fortschritt des Cohenschen Denkens seit der ersten Auflage zeigt am deutlichsten der Zusatz auf Seite 366 der zweiten Auflage, der nunmehr der Religion ihren Ort im System der Philosophie anweist und so die Thema״ Stellung der Schrift aus dem Jahre 1915 ״Der Begriff der Reli.״ gion im System der Philosophie" bereits enthält"10. Weiter ist bemerkenswert, daß die zweite Auflage die Gegensätzlichkeit Kant : Mendelssohn — für Cohen ein besonders schmerzlicher Punkt, wie wir noch sehen werden!* 11 — nicht mehr erwähnt, sondern ihre Darlegung mit anderem auf den ״folgenden Teil" verschiebt., Dieser 4. Teil, den die 1. Auflage überhaupt nicht hat und der ״Die Anwendungen der ethischen Prinzipien" in Recht, Religion und Geschichte behandelt, verschweigt aber dort, wo nun ausführlicher von der Idee des ewigen Friedens die Rede ist — S. 538 ff. — gleichfalls Kants Polemik gegen Mendelssohn. Wir sehen also: die Polemik gegen Spinoza ist schon 1877 systematisch begründet, tritt aber 1910 in ganz anderer Affekt•■• stärke auf. Allein die neue systematische Einstellung der Re״ ligion, die wir feststellten, kann es nicht sein, die diesen Wan״ del verursacht, denn schon 1872 hatte sich Cohen in einem 10 Die scharfsinnige Schrift von Heinz Graupe, ״Die Stellung der Religion 1m systematischen Denken dier Marb arger Schule“ (Berlin 1930), geht leider an dem systematischen Gehalt der Cohenschen Schriften ,zur Kant״Interpretation stärker vorbei als die ähnlich gerichtete von Sieg״ fried Ucko ״Der Gottesbegriff in der Philosophie Hermann Cohens“, Berlin 1929. 11 Vgl. zu diesem Problem J ul i ü s G u t,t m a n n, Mendelssohns Jerusalem und Spinozas Theologisch״p01itischer Traktat, 48. Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin 1931, S. 33.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.