Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Moses ben Maimons Persönlichkeit
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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78 I. Ellbogen Schrift Einwendungen gegen Entscheidungen des Maimonides im Mischna-Kommentar vorgetragen hat, wissen wir nicht ־־— aber er hat sie vorgebracht und den Meister, der ihre Berechtig gung nicht abstreiten konnte, damit sehr verärgert. Kurz darauf traf ein Brief von Samuel ben Ali ein, der wiederum voller An״ erkennung über Secharja sprach, und der Empfänger belustigte sich über die Komplimente, welche die beiden sich gegenseitig machten. Einer Antwort würdigte er sie nicht, denn er sah das Ganze als ein abgekartetes Spiel an, als ihr Ziel lediglich den Wunsch, einen Brief des berühmten Mannes in der Hand zu haben und durch ihn ihren eigenen Glanz zu erhöhen. In Bagdad wird damals ein Streit um das Exilarchat aus« gefochten, das Samuel wahrscheinlich kurzer Hand beseitigen und persönlich übernehmen wollte. Den Gegenkandidaten suchte er als ungelehrten Handwerker unmöglich zu machen. Josef ben Jehuda tritt sehr heftig gegen Samuel auf und wird von ihm rüchsichtslos angegriffen. Auch Maimonides wird in diesen Kampf hineingezogen, schreibt auf Veranlassung eines seiner Jünger und des Rasi b. Taibun an den für sein Amt kämpfenden Prätendenten. Objektiv hat er wahrscheinlich ein Unrecht be« gangen, subjektiv aber handelt er in der Absicht, Frieden zu stif« ten, und will sich zurückziehen, als er von dem Unfrieden hört. Seinen Jünger Josef warnt er vor weiterer Beteiligung an dem Streit; er selber will mit den streitenden Parteien nichts zu tun haben, bis er nicht direkte Aufklärung von Samuel erhalten hat. In Bagdad wird nämlich gleichzeitig ein Kesseltreiben gegen Maimonides' Lehre von der Auferstehung veranstaltet. Samuel ben Ali scheint selbst eine Schrift gegen ihn verfaßt und ihn der Ketzerei, der Leugnung der Auferstehung, beschuldigt zu haben. Seine Beweise waren so nichtssagend, daß der Philosoph sie nur belächeln, nur als hilflose Äußerungen eines Mannes ansehen konnte, der von den metaphysischen Problemen keine Ahnung hatte, nur etwas vomKalam wußte, im übrigen aber ausschließlich in der Vorstellungswelt und Ausdrucksweise des Talmuds lebte* Ein Anhänger des Maimonides hatte den Greis ad absurdum geführt, Harkavy44 hat ein Fragment dieser Widerlegung auf« 44 In Zeitsch. f. hebr. Bibliographie II 125 f-f^ vgl1, besonders S. 181 fl;