Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Moses ben Maimons Persönlichkeit
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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66 I. Elkogen rung der Familie nach Palästina und ihrer Niederlassung in Ägypten ist alles rätselhaft. Als er gerade sein dreizehntes Le« bensjahr vollendet hatte, sind die Almohaden in Cordova ein« gedrungen; wann aber die Judenheit den religiösen Druck ver« spürt und als unerträglich empfunden, wann Maimon die Heimat verlassen hat, um im christlichen Spanien eine Zuflucht zu suchen, wo und wie lange er hin« und hergeirrt ist, darüber fehlt uns jede Kenntnis7. Ebensowenig verstehen wir, wie Maimon 1158/9 nach Fez übersiedeln und dort Sicherheit erwarten konnte. Der Ruf des Juda ibn Sossan allein bildete keinen Schutz gegen die Gefahr; aber vielleicht beweist die Tatsache, daß ein Gelehrter von Ansehen dort ein Lehrhaus halten durfte, daß der Druck sich damals dort nicht geltend machte. Maimons ״Trostschreiben“8 läßt auf andere Nöte schließen. Seine warme religiöse Stimmung spricht aber durchaus gegen die eine zeit« lang verbreitete Annahme, daß er und seine Familie sich schon in Spanien oder wenigstens in Nordafrika dem Religionszwang gebeugt, das von ihnen geforderte Bekenntnis zu Mohammed als Propheten abgelegt, den Gottesdienst der Moschee als Schein« gläubige besucht hätten. Abraham Berliner hat alle Quellen gesammelt, welche das Gegenteil beweisen9, und man darf wohl sagen, die Frage endgültig gelöst. Entlastungszeugen sind überdies die von so tiefer Gläubigkeit erfüllten Äußerungen von Vater und Sohn. Wer mit so warmer Überzeugung von der Prophetie und der einzigartigen Gestalt Moses’, von den Wundem Gottes und seiner Liebe spricht, die sich im Senden von Leiden ausdrückt, wer in so echter Frömmigkeit zum Gebet mahnt wie Maimon10, wer in so unbedingter Ergebung das Glück des Leidens für den Glauben preist und mit so selbst« 7 Die bei Graetz noch, als zweifelhaft ׳ausgesprochen:© Vermutung־,, daß sie sich in der Hafenstadt Almeria auf gehalten! haben. (S. 263), ist allmählich in alle Darstellungen als sichere Annahme übergegangen. 8 Ein! hebräischer Auszug ist in der Einleitung zu Chemda Genusa von H. Edelmann, S. LXXIV ff., wiederg'egeben, das Original durch L. M. Simn 1m׳ons mit englischer Übersetzung in der Jewish Quarterly Review II 62 ff. und1 hinter S. 335 veröffentlicht. 9 Zur Ehrenrettung des Maimonides in ״Moses ben Maimon“ S. 104—130. 10 JQR ü, 71.