Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Kritik der Offenbarungsreligion in der islamischen und jüdischen Philosophie
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 456 (sequence 1)
- Language
- German
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456 Julius Guttmann Zur Kritik der Offenbarungsreligioh in der islainischeii und jüdischen Philosophie. Von Julius Guttmann. Im dritten Buche seiner Herzenspflichten gibt Bahja ibn Paquda eine Aufzählung der verschiedenen Verhaltungsweisen gegenüber dem göttlichen Gesetz, die mit, der verwerflichsten beginnt und; zu der richtigen und gottgefälligen aufsteigt.. Die drei ersten Glieder dieser Reihe sind verschiedene , Formen einer Auffassung der Offenbarungsreligion, die bisher noch keine hin■■ reichende Würdigung gefunden hat. . Die radikalste Form dieser Auffassung sieht in dem Gesetz eine.; Art gesellschaftlicher Ordnung, durch die man die Völker leitet, eine Art von Regel, .durch die man die Unwissenden lenkt, weil bei ihnen die Begierden über den Verstand herrschen und wreil ,sie von roher Natur sind. Die nächste Theorie sieht sich genötigt, die Wirklichkeit der von den Propheten vollbrachten Wunder anzuerkennen, bestreitet aber gleichwohl die Wahrheit der von ihnen verkündeten Lehre. / Sie ist mit der ersteh Ansicht nahe verwandt, indem sie behauptet, Gott habe seine Geschöpfe anleiten wollen, ihre Angelegenheiten in dieser Welt zu ordnen und habe deshalb, den' Propheten/inspiriert, durch nützliche Gesetze eine Ordnung für sie zu be־־ stimmen und habe ihn durch Wunder beglaubigt, damit' er Ge־־ horsam finde. Dabei aber glaubt diese Richtung nicht an Lohn und Strafe. Die dritte Meinung erkennt die Wahrheit der göt.tliehen Lehre an, sie sieht in ihr ein Werk der göttlichen Gnade, welche die Menschen in dieser Welt habe anieiteh und ihnen eine diesseitige Ordnung habe geben wollen, ohne ihnen jedoch eine jenseitige Belohnung zu bringen, wie ja auch bei den Propheten nur von diesseitigem Lohne uncl diesseitiger Strafe/die Rede sei* 1. יי י־ י י ' f ׳' '; 'י ’י ' ' ־ ־' י' ׳ י V : * '*'■■־' ' '־ p 1 Bahja III 4;; ed.;•Yahuda,: S. 146 f;, hebr. r.:..Übersetzung ed<!Stern S. 148 ff. Der Sinn der ersten These kommt in der hebr. Übersetzung nicht scharf zum Ausdruck, weil der die gesellschaftliche: Ordnung bezeichnende Terminus sehr vage durch מנהגים wiedergegeben . wird;;Passender, wenn auch nicht ganz 1 treffend ist die Übersetzung!הנהגה in.Kuzäri IV 19, Die Gegner der Philosophie, die später dem Samuel־ ibn'Tibbon? vor warfen, die göttlichen Gebote als bloße הנהגות zu betrachten (Streitschriften in Kobaks Jeschurun VIII, 100) haben den Ausdruck ganz sinngemäß verwandt.