Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Formengeschichte des altjüdischen Gebetes
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 438 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829999-2830004-2838998--52910-2839081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
438 A. Spanier Zar Formengeschichte des altjüdischen Gebetes.* Von A. Spanier. Eins der Grundelemente oder besser das Grundelement der altjüdischen Liturgie ist die ברכה, die Benediktion.' Sie ist es, die in ihren verschiedenen Formen — als Preisgebet, Dankgebet, Bittgebet* 1 2 — dem jüdischen Gottesdienst sein Gepräge gibt. Benecliktionen verschiedener Art vereinigen sich zu Benediktions־ kompositionen, wie wir sie in der Tefilla, im mox*gendlicl1en und abendlichen Sch'ma-Zyklus oder im Tischgebet besitzen. Es verlohnt sich, die Struktur solcher Kompositionen, die ja ihrem größeren Teil nach dem ältesten Bestand unseres Gebetbuches angehören, einmakvon prinzipiellen Gesichtspunkten aus zu prüfen. Da ist nun zunächst die Regel aufzustellen, daß solche Kom- Positionen immer mit einem Preisgebet beginnen. Die Reihenfolge ist ,,Preis, Dank, Bitte“ oder vielleicht auch ,,Preis, Bitte, Dank“. Im ersteren Sinn ist das Tischgebet in seinen drei alten Benediktionen aufgebaut; bekanntlich ist die vierte, הטוב והמטיב, erst später — wenn auch immerhin der Tradition nach noch zur Mischnazeit — hinzugefügt. Die andere Reihenfolge ,,Preis, Bitte, Dank“ würde für die Tefilla anzunehmen sein, wenn R. Chanina Recht haben sollte, der b. Ber. 34a sagt: נכרכות] ראשונות דומה לעבד שמסדר שבח לפני רבו אמצעיות דומה לעבד שמבקש פרם מרבו אחרונות דומה לעבד 2שקבל פרם מרבו ונפטר לו. Von den Benediktionen endlich, die mor- * Meinem verehrten Lehrer, Herrn Prof. Elbogen, dem diese Arbeit im Manuskript Vorgelegen hat, habe ich für wertvolle Hinweise zu danken. 1 Vgl; für diese Gliederung u. a. Adolf Wendel: Das freie Laiengebet im vorexilischen Israel (Ex Oriente lux. 5/6)> Leipzig 1931 — ein Buch, dem ich für die vorliegende Arbeit mannigfache Anregung verdanke. 2 JBer. 4d 58 heißt es über denselben Gegenstand ר׳ אחא בשם ר׳ יהושע בן לוי אף מי שהתקין את התפלה הזאת על הסדר התקינה שלש ברכות ראשונות ושלש ברכות האחרונות שבתו של מקום והאמצעיות צורכן של בריות. Liese Auffassung befriedigt aber noch weniger als die des R. Chanina. Es ist doch nicht zu verkennen, daß die letzte Benediktion der Tefilla eine Bitte ist und die vorletzte eine Danksagung. Die drittvorletzte ist in der Form, die sie nach der Tempelzerstörung erhalten hat, wiederum eine Bitte. Denkbar wäre jedoch, daß sie vorher mehr den Charakter einer Preisbenediktion hatte. Dann würde sich unter der Annähme, daß die drei ersten und die drei letzten Benediktionen einmal allein bestanden hätten —־ eine Auffassung, die freilich von Elbogen, Der jüdische.Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung, S. 31 f., bestritten wird—, auch hier wieder die Reihenfolge ,,Preis, Dank, Bitte“ ergeben, wobei nicht weniger als vier Benediktionen dem Preis gewidmet gewesen wären.