Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der persönliche Gott
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829999-2830004-2838995--52866-2839041- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
398 Lothar Lubasch. und Unvergleichbaren, dessen, das alles menschliche Erfahren und Denken transzendiert. Gott ist das Unbegreifliche, das schlechthin Irrationale, und von diesem Mysterium ist sein Wesen umfangen. Die unbegrenzte und unvergleichliche Verehrung, die ■wir Gott entgegenbringen, liegt in diesem Geheimnis beschlossen, das uns vor der Nivellierung des Göttlichen an die Kreatur bewahrt. Wir halten aber ebenso daran fest, daß Gott sich in dieser . Welt offenbart, in der Natur, im logischen Sein, in allem Rationalen, das das Leben erfüllt. Gott umfaßt alle rationalen wie irrationalen Komponenten dieses Seins und transzendiert zugleich unendlich diese Welt. Er ist zugleich i n allem Sein und über allem Sein, er ist erfaßbar und nicht erfaßbar, er ist persönlich und überpersönlich, er ist i n allen Gegensätzen und über ihnen. Wir gelangen zu dem paradoxen Resultat, daß wir Gottes Unerkennbarkeit erkennen. Der Begriff der Personlichkeit, den wir dem Ewigen zuschreiben, ist ein vages Ahnen des Höchsten und Letzten, das alles Sein und alle Werte in sich vereinigt. Gott ist für uns letztes und unergründliches Geheimnis. Aber auch hier bietet die menschliche Persönlichkeit eine wertvolle Analogie, auch sie ist uns ja letztes und unauflösliches Geheimnis. Alle Versuche, mein Ich oder das des anderen rational zu erfassen, scheitern letztlich an dem undurchdringlichen Mysterium der Persönlichkeit. In ihrem Wesen liegt ihre Unerkennbarkeit beschlossen. Die Verehrung, die wir einem Menschen entgegenbringen, ruht auf diesem letzten Unfaßbaren. In analogem Sinne übertragen wir diesen Gedanken auf Gott. Jegliche Andacht und Verehrung, die wir dem höchsten WTesen: zollen, verlangt diesen unauflösbaren Rest, der sich der zudringlichen Ratio entzieht. Die innere Gewißheit des frommen Beters, der sich im Gebet an den persönlichen, weltüberlegenen Gott wendet, wird durch eine rationale Überlegung nicht zerstört, sie findet im Gegenteil ihre Bestätigung durch die Analogie. Beide Momente, das der Gottesferne wie das der Gottesnähe vereinigen sich ־im Begriff der Persönlichkeit Gottes. Dasjenige, was in der menschlichen Seele als ihr tiefster Sinn wächst und erblüht, findet der religiöse, Mensch unendlich gesteigert־ und vollkommen in dem •Geheimnis der Persönlichkeit Gottes wieder, dem sein Ich sich im Gebet und frommen Erleben erschließt.! :