Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829999-2830003-2838889--52825-2838968- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
372 Besprechungen unermüdlich Materialien zur Kenntnis der Naturkunde bei den Aramäern, Hebräern und Arabern gesammelt und in zahlreichen kleineren Arbeiten veröffentlicht. Die Pflanzenkunde hat ihn wohl am meisten gefesselt: schon 189ל erschienen seine berühmten ״Aramäischen Pflanzennamen“ teilweise als Dissertation in Leipzig, und 1881 in endgültiger Form. Seitdem hat der große Forscher unermüdlich geschafft und gesammelt; nur wer selbst in vielen Werken nach naturwissenschaftlichen Dingen gesucht hat, kann die ungeheure geistige Leistung würdigen, welche Löw, ein zweiter Steinschneider, aber tiefer dringend als dieser, durch das Erforschen von tausenden von literarischen Quellen des Abendwie des Morgenlandes vollbracht hat. Die drei ersten Bände sind im gleichen Verlage (von 1923—28) erschienen. Sie enthalten in systematischer Anordnung der Pflanzenfamilien alles, was Löw über die botanischen Kenntnisse der Juden, ihrer Nachbar- Völker und der späteren Herren Palästinas Zusammentragen konnte, eine wunderbare Materialsammlung, welche dem Deferenten und vielen Anderen schon lange vor Vollendung des Werkes unschätzbare Dienste geleistet hat. ״Die Beziehungen der Juden zur Pflanzenwelt sind, wie das ganze jüdische Leben, durchweg mit religiösen Anschauungen und Bräuchen verwoben. Gesetzliche Bestimmungen führten die Rabbinen zu eingehender Beschäftigung mit der Flora ihrer Umgebung, wie sie gesetzliche Be- Stimmungen zur Kenntnis der Fauna zwangen. Homiletische Vorträge, moralische Erörterungen führten zu sinniger Auslegung pflanzlicher Erscheinungen. Halacha und Agada bewahren einen Schatz volkstümlicher Naturkenntnis . . . Meine Flora ist der erste Versuch, ein annähernd vollständiges Bild der Beziehungen zum Pflanzenreich zu zeichnen“. So sagt in seiner Bescheidenheit der greise Meister. Nun, man darf sagen, daß wahrscheinlich in absehbaren Jahrzehnten Niemand imstande sein wird, das Biesenwerk des Meisters Löw neu zu schreiben; höchstens werden Ergänzungen und Nachträge geliefert werden, zu denen der Verfasser selbst schon überall die ersten Anregungen gegeben hat. Gerade dieser vierte und letzte Band zeigt den großen Kenner und Könner im vollen Lichte seines überragenden Wissens. Der Untertitel gibt die vier Hauptstücke des Inhalts, der sich in 40 Kapiteln gruppiert. Auf eine kurze Einleitung, der ich die oben wiedergegebenen Worte Löws entnahm, folgt ein interessanter Exkurs über den Natursinn in der jüdischen Literatur. Nach den poetischen Vergleichen aus dem Pflanzenreiche, die sich in der Bibel finden und im Talmud weiter ausgebaut sind, kommt, wie auch in der abendländischen Kultur, die an Natursinn arme Periode des Mittelalters und ein Wiederaufleben in der Neuzeit. Nach etymologischen Bemerkungen geht der Verf. in dem wichtigen Kapitel 3 die Pflanzen der Bibel durch, mit Seitenblick auf Luthers Bibelübersetzung. Er führt uns weiter durch das Neue Testament, die Apokryphen, Josephus, die Pseudepigraphen, den Koran, die Pflanzenwelt der Mischna, durch Targume, Talmud und Midraschim. Dann gibt er eine Gruppierung der