Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der erste in Deutschland promovierte Jude
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 76% known words query
- IRI
…/2829132-2829999-2830003-2838884--52803-2838956- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
360 Guido Kisch Frankfurth begeben wolte und den Gradum Doctoratus ambirte, nachdrücklichen Schutz wider männiglich, insonderheit die hiesige studirende Jugend leisten und halten solte. Gleichwie nun dieser jüdischer Studiosus Medicinae sich bereits vor einigen Monaten würklich bei uns eingefunden, und weil er auf der Pragischen Universität seinen völligen Cursum absolviret, auch die beiden ]Examina unter der dasigen medicinischen Fakultät Approbation ausgestanden und also mit statlichen Testimoniis schon versehen, nur bei uns noch einige privatissimas Lectiones gehöret, vornehmlich aber sein Absehen dahin gerichtet hat, daß er auf der hiesigen Universität den Gradum Doctoratus erhalten mögte. Also haben wir ihn in numerum Candidatorum rezipiret, auch zu denen gewöhnlichen Examinibus admittiret und. hierauf seine. Inanguraldisputation ,,De revellentium ac derivantium genuina operandi ratione“ den 4ten hujus öffentlich halten lassen, in welchen Speciminibus er sich überall wohl verhalten und also unsere, der medicinischen Fakultät Approbation in allen Stücken erhalten hat. Da aber nun vorgedachter Gümpertz unserer Fakultät ferner zu vernehmen gegeben, daß er praestitis praestandis bei dem nächst zu haltenden Actu doctorali publico mit beitreten und den Gradum Doctoris annehmen wolte, gleichwohl aber dieser der erste Casus ist, daß bei unsern Zeiten einem Candidato jüdischer Kation der Gradus Doctoratus conferiret worden, so haben ohne speciale Anfrage bei Ew. Königl. Majestät wir solchem seinem Petito zu deferiren uns nicht unterfangen wollen, obgleich sonsten bekant genug ist, daß dergleichen jüdischen Studiosis Medicinae auf denen holländischen wie auch einigen teutschen Universitäten, imgleichen zu Padua und sonsten deswegen keine Schwierigkeit gemacht wird, auch selbsten dieses Gumperts Vater ein Doctor promotus und von Sr. Kaiserl. Majestät als Physicus Ordinarius in der Judenstadt zu Pragä, allergnädigst constituiret ist. Wann also diesemnach Ew. Königl. Majestät mehr gemeldtem Candidato Gümpertz diese hohe königl. Gnade angedeihen zu lassen allergnädigst geruhen mögten, so bitten wir alleruntertänigst, den jetzigen Decanum Facultatis Medicae, den ,Professoren! ordinarium Doct. Andream Ottomarum Goelicken dahin zu autorisiren, daß er bei nächst anzustellenden Actu Promotionis publico diesem Candidato Gümpertz den Gradum Doctoris mit denen davon dependirenden Immunitäten und übrigen Juribus conferiren möge. Wir verharren in unablässiger Treue und alleruntertänigsten Devotion Lebens lang Ew. Königl. Majestät alleruntertänigst gehorsambste Decanus, Senior, Doctores und Professores ordinarii der medizinischen Fakultät hierselbst. Frankfurth an der Oder, den 10. Sept. 1721. Andreas Ottomar Goelicke, Joh. Georgius a Bergen, Med. D., P. P. Ord., h. t. Med. D. et P. P. Fac. Med. Decanus.