Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 313 Verfertigen könnte; erst als Laban siebt, wie ungeduldig Eliezer die Abreise beschleunigt, wie er gar nicht nach Mitgift fragt, erst da tut Laban, als ob er die Schwester zuhause behalten und ausstatten wollte. — Wenn Einer Ware kauft, trinkt man Weinkauf; nachdem Esau die Erstgeburt für ein Erbschwert verkauft hatte, wird gegessen und getrunken. — Beim dritten Kind, Levi, ruft Lea aus: Jetzt wird mir mein Mann anhängen; das erste Kind nämlich hält die Erau am rechten Arm, das zweite führt sie mit der Linken, das Dritte hält schon der Mann. — Die Dudaim Rubens werden richtig als Liebeslusterreger erkannt. — Jakob schickt dem Jäger Esau auch Jagdsperber (S. 158); weniger Wirklichkeitssinn äußert sich darin, daß nach dem Vorbilde der Posttauben auch Posthirsche angenommen werden, — natürlich nur Naphtali (Gen 492!) zulieb. — Tamar hat von Juda seinen Ring, Stock und Tallis als Pfand gebeten: den Ring als Ehering, den Stock als Stange der Chuppo, den Tallis als Baldachin des Trauhimmels; in Deutschland ist es Sitte, daß man den Trauhimmel aus einem Tallis macht (S. 185). Vielfach und lebhaft wird begründet, warum Joseph, wie er sich seinen Brüdern zu erkennen gibt, alle Übrigen entfernt: die Brüder sollen sich vor den Ägyptern nicht zu schämen brauchen, daß sie den Bruder verkauft haben, Joseph nicht, daß er solche Brüder habe, und die Ägypter sollen nicht veranlaßt werden, solchen Leuten die Niederlassung zu verbieten. Besonders ist der sittliche Ernst des Buches anzuerkennen. Es strebt nach Gerechtigkeit, z. B. Noah und Lot, die in der späteren Aggada eher übelwollend beurteilt werden, erscheinen hier verehrenswert: Lot verwendet die ganze Nacht auf die Fürsprache für die Bewohner Sodoms (S. 83). Fragen werden aufgeworfen, die von gesundem sittlichen Gefühl zeugen. Hat denn das Tier Vernunft, daß es auch zum Tode verurteilt werden könne? (S. 42). Tamar will man verbrennen, warum nicht Jehuda? (S. 186). Sittliches Empfinden äußert sich auch in dem Bedürfnis, die Gestalten der Vorzeit von Makel zu reinigen. Die Frage der Notlüge regt unseren Verfasser förmlich auf, da doch Abraham seine Frau für seine Schwester ausgibt, — Jakob seinem Vater weiß macht, er sei Esau, — Joseph seinem Vater (um ihm nicht zu verraten, daß ihn die Brüder verkauft haben) glauben läßt, er habe sich verirrt und sei so nachÄgypten verschlagen worden; — die Brüder sich darauf berufen, Jakob habe letzt willig hinterlassen, Joseph müsse ihnen verzeihen. Der Verfasser beruhigt sich dabei, daß man in der Not, oder um des Friedens willen Zuflucht zu einer Unwahrheit nehmen darf, mit der man niemanden schadet (S. 56, 77, 127, 229, 243). Ein doppeltes Vorwort geht dem Buche voraus: eines von Dr. Pessach Goldring, das andere von Berta Pappenheim selbst. Ich muß gestehen, keines befriedigt mich. Keines gibt ein anschauliches Bild von dem verdienst vollen Verfasser Jakob ben Isak aus Janow, (den die Jewish Encyclopaedia, das Jüdische Lexikon und die Encyclopaedia Judaica vergessen zu haben scheinen) noch von seinem so wirkungsvollen Buch. Und doch läßt sich Richtung und Gesichtskreis des Verfassers schon aus diesem ersten Band unschwer erkennen. Oft beruft er sich auf Gemara und