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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 6 · p. Seite 474

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 6
Article
Chassidische Musik [Rezension]
Date
1933-01-01
Page
Seite 474 (sequence 3)
Language
German
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474 Besprechungen Schneur Salman ans Ladi zugeschrieben. Nach den hier zitierten Überlieferungen zu urteilen, wird hier eine Art mystisch-kosmologischer ,,Programmusik“ versucht, durch die alle Stadien der Ekstase bzw. — nach späteren Erklärungen — die vier Welten: briah, jezirah, assija und aziluth ihren musikalischen Ausdruck gefunden haben sollen. Wie weit es sich da um ein ,,bewußtes“ musikalisches Programm handelt, läßt sich natürlich nicht sagen; dem Kenner dürften viele dieser Nigunim ähnliche oder gleichartige Inhalte bedeuten wie die in den chassidischen Schriften dargestellten. Die 250 Stücke der eigenartigen Auswahl Idelsohns geben schon eine gewisse Grundlage zum Wesens Verständnis der chassidischen Musik. Da Idelsohn sich in diesem Werk weit wortkarger gibt als in seinen anderen Veröffentlichungen, scheint es angebracht, dem Referat einen Versuch zur Wesensdeutung folgen zu lassen. Eür das Methodologische sei hier wenigstens der Standpunkt kurz angedeutet, von dem m. E. eine solche Durcharbeitung ausgehen muß. Von vornherein abzulehnen ist die noch vielfach übliche Anschauung, daß es die musikalischen Einzelheiten sind, also bestimmte bevorzugte Motive, die die Eigenart einer Volksmusik oder einer Musikproduktion überhaupt ausmachen. Es gab und es gibt wohl auf der ganzen Welt nur eine begrenzte Anzahl musikalischer Elementarmotive; erst ihre individuelle Verarbeitung, der ganz spezielle Zusammenhang, in dem sie auftreten, ihre besondere Geisteshaltung und Inhaltlichkeit, verbunden mit vielen anderen charakterologischen Momenten dokumentieren das Einmalige und Originäre. Von diesem Aspekt aus ist z. B. auch jene beliebte Methode, übernommene Motive als Symptom unselbständiger Produktion anzusprechen, als oberflächlich zu verwerfen. Auf allen Gebieten haben ja die bedeutendsten Geister fremde Einfälle verwertet und gerade an ihnen oftmals erst ihr eigentliches Wesen in Erscheinung treten lassen. Um etwas Adäquates über das Wesen der chassidischen Nigunim auszusagen, muß man solche Nigunim wählen, die offenbar innerhalb eines maximalen Konzentrationsstadiums konzipiert worden sind. Bei diesen Melodien finden wir einen zwingenden, organischen Ablauf, wie er jede echte Kunst auszeichnet. Allerdings darf man diesen so entstandenen künstlerischen' Organismus nicht mit einem solchen ganz anderer Herkunft verwechseln und die ,,Natürlichkeit“ irgend eines andersgearteten Kulturkreises erwarten. Das Exaltierte eines solchen Gebildes spiegelt eben die ,,Natur“ wieder, die es hervorgebracht hat, und es versteht sich von selbst, daß sich aus dem Zustand der religiösen Ekstase nur ein recht kompliziertes Substrat nie der schlagen konnte. Die chassidischen Nigunim zeigen konservative und revolutionäre Züge. Beides zunächst im musikalischen, dann aber auch im Sinne des entsprechenden seelischen Vorgangs. Wenn ein Gesang mit einer langandauernden Tonrepetition beginnt, so ist das wohl meist für eine bestimmte seelische Verfassung symptomatisch, in der verweilt wird. Wenn aber diese Melodie plötzlich zu zackigen Kurven überspringt, so darf man a־uf

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