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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 6 · p. Seite 472

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1933-01-01
Page
Seite 472 (sequence 3)
Language
German
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472 Besproehuugen Geltung. Spinoza unterwand sich, Gott seine Anredbarkeit zu nehmen. Der Anredbare war ihm nicht rein, nicht groß, nicht göttlich genug. Aus dem Ort der Begegnung mit Gott wird ihm die Welt zum Ort Gottes. Die ehassidisehe. Botschaft erneuert dagegen die Erkenntnis, daß nicht die Welt Gottes Ort, sondern Gott ,,der Ort der Welt“ ist, und daß er doch ihr ,,einwohnt.“ Der Chasiidismus sprach diesen Ursatz neu aus, nämlich ganz praktisch. Durch die Welteinwohnung Gottes wird die Welt — allgemein religiös gesprochen — zum Sakrament. In der konkreten Berührung mit dem Menschen wird die Welt je und je sakramental. In dieser Grundhaltung, dem tätigen Annehmen Gottes in den Dingen, ist die ehassidisehe. Botschaft ein Vollzug und eine Ausweitung der vorzeitlichen Weisung Israels; Werdet heilig, denn heilig bin ich. In der chassidischen Botschaft ist die Trennung von ,,Leben in Gott“ und ,,Leben in der Welt/‘ in echter, konkreter Einheit überwunden. Diese wenigen Hinweise auf den reichen Inhalt der Festschrift wollen zu ihrem Studium einladen. Albert Lewkowitz. Chassidische Musik. A. Z. Idelsolms ,,Gesänge der Chassidim“ (10. Bd. des ,,Hebräisch- Orientalischen Melodiensehatzes“, Friedrich Hofmeister Verlag, Leipzig) stellt die erste umfangreiche Sammlung und Ordnung chassidischer .Nigunim dar, verbunden mit der ersten ernstzunehmenden Abhandlung über dieses Gebiet. Die Gliederung der Texte, in fünf Abteilungen, erfolgt nach ihren tonalen Zusammenhängen, zwei Zusatzkapitel enthalten humoristische und Spottlieder sowie alte handschriftliche Überlieferungen. Die Einleitung gibt eine Übersicht über die Hauptgedanken des Chassidismus und ihren Ausdruck durch den Gesang, seine spezielle Tonalität und Melodik. Idelsohns Auffassung vom Chassidismus geht vom Optimismus als einer der beherrschenden Vorstellungen der chassidischen Welt aus. Der Optimismus ist hier metaphysisch begründet, denn er hat Gott als den Urquell ewiger Freude zur Grundlage. Im Zusammenhang damit steht der chassidische Gesang und die chassidische Musikauffassung: Musik ist Ausdrucksweise der reinsten Freude und als solche fördert sie wieder die ekstatische Erhebung der Seele. Musik gibt also die Möglichkeit, höhere Sphären zu. erreichen: Musik ist das mystisch-magische Mittel des Aufstiegs zu Gott, und im Gesang drückt sieh das Wesen Gottes, der Welt und des Menschen aus, insofern dieser mit Gott und der Welt im Einklang ist. (Man könnte also sagen: Inhalt und Idee sind die Voraussetzungen dieser Musik, wie aller echten jüdischen Musik überhaupt. Der Zaddik, der religiöse Führer, ist — dementsprechend — auch der musikalische Führer, der ,,göttliche Sänger“. Er ist der allein autorisierte Schöpfer heiliger Musik, mit der er Wunder aller Arten (Iirankenheilungen etc.) vollbringt und die an seinem Hof und darüber hinaus sogar kultische Bedeutung

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