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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 6 · p. Seite 471

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1933-01-01
Page
Seite 471 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen 471 meers, insbesondere auch der Verschmelzung mit Germanen der Völker- Wanderung, und daß, was sie von diesen schied, mehr in der Formung durch den Glauben der Thora, als in der Reinheit des jüdischen Blutes zu suchen sei. Was sie dabei von den Juden des Frankenreiches, vor allem von den mit Franken gemischten Juden am Rhein unterscheide, sei der starke Einschlag gotischen Blutes, derart, daß man die Sephardim als die gotischen Juden von jenen anderen als den fränkischen Juden, die zudem bei ihrer Wanderung nach dem Osten stark slavisiert wurden, scheiden dürfe. Wollte man den unbestimmten Allgemeinbegriff ,,Jude“ auf beide Parteien an wenden, so würde man sich den Zugang zum tieferen Verständnis verbauen. Spinoza gehört einem Volke an, das durch Rasse, Geschichte und bewußte Tradition durchaus eigener Art ist, und das nur aus seiner eigenen Art verstanden werden kann. Joseph Klausner ,,Der jüdische Charakter der Lehre Spinozas“ betont hingegen, daß die Gegensätzlichkeit der Weltanschauung Spinozas zur jüdisch-religiösen Weltanschauung nicht seine Verbundenheit mit dem jüdischen Volke aufhebe. Denn auch im Judentum als einer nationalreligiösen Weltanschauung ist mit Notwendigkeit der Geist der jüdischen Nation in ihren Kämpfen und Wandlungen und ihren evolutionären Entfaltungen von Geschlecht zu Geschlecht fühlbar. Das Judentum wird reicher und größer durch alle seine großen Söhne — auch durch die Verlorenen und Verstoßenen. Und so erklärt er den Bann Spinozas, der ihn aus der jüdischen Gemeinschaft ausschloß, für gelöst. Ebenso weist Nahum Sokolow ,,Der Jude Spinoza“ zwar Spinozas Verdikt über Juden und Judentum als Folge eines Mangels wahrer kritischer Fähigkeit zurück. Aber gleichwohl ist er ihm nicht nur ein typischer Repräsentant der sephardischen Juden, sondern auch ein typischer Jeschiwabachur aus dem Beth Hamidrasch des Amsterdamer Ghetto. Zwar sollte seine Philosophie nicht mit der jüdischen Religion identifiziert werden. Aber als jüdischer Philosoph verkörpere er jenen unbezähmbaren Optimismus im Menschen, der allen Mißgeschicken trotzt. Spinoza ist der Jude, den Schopenhauer wegen seines unbesiegbaren Optimismus verspottet, und der den Glauben nicht aufgibt, daß Gott sich immer siegreich erweisen wird. Und sogar in seiner Gegnerschaft zum Judentum ist er tief jüdisch. Jakob Klatzkin ,,Der Mißverstandene“ meint, daß Spinozas Ethik aus einer hebräischen Übersetzung in mancher Beziehung adäquater, origineller zu verstehen sei, als aus dem lateinischen Original, da Spinoza nach eigenem Geständnis das Lateinische nicht genügend gemeistert habe. Und so wenig Spinoza von der jüdischen Religionsphilosophie gedanklich beeinflußt war, so sehr war er es sprachlich und zwar wegen einer sprachlichen Unbeholfenheit. Gegenüber dieser ^Betonung des jüdischen Ursprungs Spinozas bringt Martin Buber ,,Spinoza und die chassidisclie Botschaft“ den Gegensatz des Spinozistischen Gottesbegriffs zum jüdischen Gottesbegriff zur

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