Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zwei jüdische Ärzte
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 454 (sequence 8)
- Language
- German
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454 B. Rosenthal Etwa ein Jahr nach Hayums Tod suchte Simon Wi 1 li c h , wahrscheinlich ein Glied der bekannten Ärztefamilie Wallich, um Aufnahme als Judenarzt in Mannheim nach. Die kurfürstliehe Kanzlei beauftragte am 27. Sept. 1683 die medizinische Fakultät in Heidelberg, den Bewerber zu examieren, ob er zur Ausübung der ärztlichen Praxis zugelassen werden könne. Weitere Nachrichten über diesen Fall fehlen. In Mannheim übte Willich keine Praxis aus. Im Dezember 1685 fand sich als weiterer Reflektant Dr. Simon Lefmans* 1. Er war eigens aus seiner Geburtsstadt Essen nach Heidelberg gekommen, um hier seine Bewerbung zu betreiben. Wahrscheinlich besaß er zur Umgebung des 1685 zur pfälzischen Kurwürde gelangten Philipp Wilhelm, der vordem in Düsseidorf residiert hatte, gute Beziehungen. Aus seinem Bewerbungsgesuch erfahren wir, daß Lefmans Vater ebenfalls die ärztliche Kunst, aber nicht als Promotus, ausübte. Wir gehen nicht fehl, wenn wir ihn mit dem Juden Levi identifizieren, der um 1651 in (Anm. 5) abgefaßt, aber nicht für sich, sondern für seinen leiblichen Sohn Seligmann und seinen Pflegesohn und Neffen Haymann, den Sohn des damals bereits verstorbenen Dr. Abraham Haymann, die beide 1724 in Heidelberg immatrikaliert wurden und dort und in Halle (Arch. d. Univ. Hbg. a. a. O.) ihren medizinischen Studien oblagen. Hiermit stimmt auch der Wortlaut der Heidelberger Matrikel: ,,Seligmanns Elkanus Bacharach Mannheimensis, Judaeus“ (R-ieger, a. a. 0. u. Felsenthal, a. a. O., S. 189) genau überein. Dieser Seligmann Bacharach war es auch, der 1728 als erster Jude in Heidelberg, nachdem lange über die Art der Promotion Erwägungen gepflogen worden waren, auf kurfürstlichen Befehl den Doktorgrad erwarb. Auch aus dem Memorbuch geht deutlich hervor, daß nicht Elkan Bacharach, sondern sein Sohn Seligmann Medizin studiert hatte. Eintrag 255 lautet: י״א את בשמת האלוף_הר״ר אהרן המלובה זעליגמן רופא בן כ׳אלדזנן בכרך מגד״יים». Seligmann scheint den ärztlichen Beruf nie ausgeübt zu haben, wenigstens wird er in den MRP nie als Arzt erwähnt. Er starb schon 1734 und dürfte kaum 30 Jahre alt geworden sein. Sein Vater folgte ihm 1751. 1 Seit dem von Steinschneider aufgestellten Verzeichnisse der jüd. Ärzte (Zeitschr. f. hebr. Bibliographie 17, S. 152), in dem Simon Lefmans unter O. Z. 1276 aufgeführt ist, erscheint dieser in allen Arbeiten über jüdische Ärzte, zuletzt bei Krauß, Gesch. d. jüd. Ärzte usw. S. 114 mit den von Grunwald (Hamburgs deutsche Juden usw., S. 61 f.) gegebenen biographischen Erg änznngen.