Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zu den Dialekten des Talmudisch-Hebräischen
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829991-2829998-2838633--52265-2838679- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
H. L. Ginsberg: Zu den Dialekten des Talmudiseh-Hebräischen 413 Zu den Dialekten des Talmudiseh-Hebräischen.1 Von H. L. G i n s b e r g. 1. Mit dem Talm.-Hebr. steht es ähnlich wie mit dem Bibk- Hebr.: Jede Literaturgattung und jede Quelle hat gleichsam einen eigenen Dialekt. Hier soll nur von einer allgemeinen lokalen Scheidung zwischen Palästinisc h-Hebräisch und Baby- 1 o n i s c h-Hebräisch die Rede sein. 2. Nun ist unter Babyl-Hebr. nicht etwa die Sprache des den Ausgaben des Babyl. Talmud ein verleibten Mischnatextes und des damit engverwandten Textes der Mischnaausgaben zu verstehen; denn, wie Epstein2 endgültig bewiesen hat, handelt es. sich hier um eine künstlich durch Korrekturen nach ,,klassischen" und anderen Gesichtspunkten in Europa hergestellte Mischnagestalt. Echt babylonisches Hebräisch stellen also zunächst nur die im BTalm. enthaltenen hebräischen Amoräersätze und Wendungen des סתם התלמוד dar, allerdings meistens auch die darin vorkommenden Baraitas, deren Hebräisch fast immer mehr oder weniger babylonisch gefärbt ist, und von denen manche erst auf babylonischem Boden entstanden sind. In ähnlicher Weise beziehen wir ,,Palästinisch-Hebräisch" zunächst nur auf das Hebräisch des PTalm. Die so bestimmten Dialekte weichen, wie bekannt, hauptsächlich in Wortschatz, Terminologie und Redensarten voneinander ab; diese aber erfordern eine eingehende und ausführliche Untersuchung. In diesem Aufsatz sollen nur die phonetischen 1 Diesen Namen möchte ich ausschließlich statt ,,Neuhebräisch“ oder ,,Mischnisch-Hebräisch“ gebraucht wissen; denn ersteres ist eine zu weite, letzteres eine zu enge Bezeichnung für die hebräische Gemeinspräche der Tannaiten und Amoräer (im Gegensatz zum Alt- oder Biblisch- Hebr. einerseits und zum nachtalmudisehen Hebr. andererseits). Allerdings könnte man auch gegen ,,Talmudisch-Hebräisch“ ein wenden, daß auch die zwei Talmude noch nicht die ganze Literatur dieser Sprache enthalten; jedoch wird ,,talmudisch“ ganz allgemein im Sinne von ,,zum t a 1 ־ mudischen Schrifttum (also auch zu Mischna, Tosephta und älteren Midraschim) gehörend“ gebraucht. Im Talmud selbst lautet die Bezeichnung dieses Idioms לשון חכמים £AZ 58b, Hui. 137b, aram. לישנא דרבנן Kid. 2b, ,,die Sprache (d. h. das Hebr.) der Weisen“. 2 J. N. Epstein, 5—22 המדע התלמודי וצרכיו, ידיעות המכון למדעי היהדות, S. 5—8 (s. auch unten, S. 417 Anm. 2).