Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 395 Lazarus und Cohen. Der ,,bibliographische Wegweiser“ zählt nur für das Mittelalter Textausgaben lind Bearbeitungen aiif; für das Altertum weist er nur Bearbeitungen, für die Neuzeit nur Textausgaben nach. Die Anmerkungen begnügen sich meist mit Quellennachweisen; nur gelegentlich enthalten sie kurze Polemik. Namen- und Sachregister sind beigegeben. Die Anordnung folgt in der Hauptsache dem Gange der Geschichte, gruppiert aber auch nach Systemen (Kalam, Neuplatonismus, Aristotelismus) und Ländern. Die Bedenken gegen die systematische Einteilung (vgl. 'S. 368 des vorigen Jg.) sollen hier nicht wiederholt werden. Vielleicht hängt es mit ihr zusammen, daß Abraham, Sohn Maimunis, anscheinend nicht unterzubringen war. Sonst fehlt wohl kein mittelalterlicher Philosoph. Ebenso wie die Darstellungen Neumarks und Husiks (vgl. S. 361 ff. des vorigen Jg.) beruht Guttmanns Werk auf voller Beherrschung des Gebiets. Kann doch der Verfasser für die Darstellung des Mittelalters und der Neuzeit an eine beträchtliche Anzahl eigener Untersuchungen geschichtlicher und systematischer Art anknüpfen. Überdies aber verbindet sein Werk in besonders glücklicher Weise die Vorzüge der beiden Vorgänger: die Übersichtlichkeit der Husikschen und die Selbständigkeit der Neumarkschen Darstellung. Mit gründlicher Kenntnis der griechischen wie der arabischen Philosophie und mit großer Besonnenheit führt es an zahlreichen Stellen die q^uellenkritische Forschung weiter. So ist es durchaus richtig, daß Jehuda Halevis Theorie von dem prophetischen, besonderer religiöser Einsicht fähigen Menschen, die zur Begründung des Vorranges des jüdischen Volkes dient, an den Neuplatoniker Proklos anknüpft (der übrigens selbst, wie H. F. Müller, Dionysios Proklos Plotinos 15, zeigt, einen Gedanken Plotins weiterführt). Auch in Maimunis Gedanken, daß metaphysische Erkenntnisse manchmal plötzlich in uns aufblitzen, sieht Guttmann 1 78 mit Hecht ein neuplatonisches Motiv; er hätte hinzufügen können, daß der siebente Brief Platons die letzte Quelle darstellt. Neu und beachtenswert sind ferner z. B. die Hinweise auf die Beziehungen eines Hillel ben Samuel zur Scholastik (213) und auf die Anlehnung des Determinismus des Crescas an Ibn Roschd (254). Das Hauptgewicht legt indessen Guttmann auf die philosophische Durchdringung der Systeme, der großen wie der minder bedeutenden. Die Schwierigkeiten, mit denen die mittelalterlichen Menschen ringen, aber auch die Lösungsmöglichkeiten, die sich für diese Schwierigkeiten bieten, sind zweifellos durch die spätere Geschichte des Denkens, des allgemein europäischen wie des jüdischen, in weit helleres Licht getreten. Aus dieser klareren Erkenntnis der Aufgaben heraus beleuchtet Guttmann durchweg die früheren Lösungsversuche; und wenn er die Unvollkommenheiten der Harmonisierung von Judentum und Philosophie bei Maimuni und Crescas aufdeckt und auch Unebenheiten der Systeme nicht selten betont, so weiß er doch, etwa bei der Darstellung der Kritik Jehuda Halevis an der Philosophie (144) oder der Teleologie des Crescas (247), zu zeigen, daß beiden Männern Gedanken vorschweben, deren Bedeutung noch größer ist, als in ihrer eigenen Darstellung zum Ausdruck kommt.