Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zur Erklärung der Esra-Apokalypse und zur Rekonstruktion ihres hebräischen Urtextes
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 1)
- Language
- German
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A. Kaimnka: Beiträge zur Erklärung der Es ra-Apokalypse 339 Beiträge zur Erklärung der Esra-Apokalypse und zur Rekonstruktion ihres hebräischen Urtextes. Von A. Kaminka. (Schluß) V. Das hohe Alter der Grundschrilt und Schaltiel als Verfasser. Der Eindruck, der durch die zahlreichen rabbinischen Paralleien gewonnen wird, daß die Visionen aus der tannaitischen Zeit stammen könnten, und einzelne Stellen, die in eine noch spätere Zeit zu führen scheinen1 * *, können die vielen Gründe nicht ins Wanken bringen, die uns veranlassen, den Hauptteil des Buches in eine viel frühere Zeit, und zwar, mit seiner eigenen Datierung übereinstimmend, in die Zeit des babylonischen Exils zu versetzen, und Schaltiel nicht als fingierten, sondern als wirklichen Autor anzusehen. 1. Die bis jetzt übliche Annahme der römischen Kaiserzeit für die Entstehung der Schrift beruht auf einer komplizierten Deutung der Adler-Vision (vgl. Schürer III4 320 f.), ferner auf der Vermutung, daß die tiefe Trauer um den Untergang des Heiligtums, deren Gegenstand nach eigener Angabe der erste Tempel ist, sich auf den zweiten beziehe, so daß unter Babylon Rom zu verstehen wäre. Volkmar stützte diese Hypothese noch durch den Irrtum, daß die Ursprache unseres Buches die griechische gewesen wäre. Selbst diejenigen, welche in Kap. 3—10 eine Schaltiel-Apokalypse erkannten, hielten infolge des als ״selbstverständlich‘* erachteten späten Ursprungs das Datum im Anfang des Buches ,,30. Jahr nach der Zerstörung** für das Jahr 100 n. Chr. Demgegenüber 1 Wie 1444-46 die Zahlen der Bücher — eine spätere Einschaltung. Selbst wenn man das ganze Kap. 14 als echt betrachtet, so ist die Zahl 24 für die hl. Schriften (die erst seit dem 3. Jh. bekannt ist) in den lat. Texten garnicht enthalten, sondern nur ״priora quae scripsisti.“ Die Zahl 70 für die anderen Schriften fehlt im Aeth. u. Armen.; in letzterer Version ist überhaupt nicht von einer Mehrzahl von Büchern, sondern von zwei die Rede, einem für das Volk und einem für die Weisen — das scheint das Ursprüngliche zu sein. Die Gesamtzahl 94 ist eine Folge der Interpolation 70 für die anderen Schriften, die wir (oben, 1932, S. 510) als die Mischna-Traktate erklärt haben. Überhaupt kennzeichnen sich sehr späte Einschaltungen häufig dadurch, daß sie in verschiedenen Orient. Über- Setzungen (namentlich in der armenischen) fehlen. 22*