Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 1)
- Language
- German
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306' Besprechungen Besprechungen Hermann Wolf gang Beyer und Hans Lietzmann, Die jüdische Katakombe der Villa Torlonia in Rom. Mit 11 Textabbildungen und 82 Tafeln. Groß-Oktav IV, 47 Seiten. Berlin und Leipzig (Walter de Gruyter & Go.) 1930. Geb. RM. 30.— (Studien zur spätantiken Kunstgeschichte,. - im Aufträge des Deutschen Archäologischen Instituts herausgegeben ד von Hans Lietzmann und Gerhart Rodenwaldt, 4). Von den bisher bekannten jüdischen Coemeterien in Rom liegt das eine im Trastevere, drei andere im Süden in der Nähe der alten römischen Gräberstraße, derViaAppia, das fünfte weiter südöstlich an der Via Labicana. 1920 wurde im äußersten Nordosten in der Villa Torlonia zwischen der Via Nomentana und der Fortsetzung des Viale del Policlinico die sechste Begräbnisstätte gefunden, auf deren Inschriften von den bisher bekannten jüdischen Gemeinden in Rom nur die Gemeinde der Siburesier vorkomxnt. Gb die Katakombe von einer weiteren Gemeinde Sexrjv&v Kenntnis gibt, ist zweifelhaft. Die Deutung שכנים hat wenig Wahrscheinlichkeit für sich. Die Vermutung Freys, der an die afrikanische Hafenstadt Scina denkt, ist möglich, aber nicht recht einleuchtend. Viel eher ist an זקנים zu denken, wenngleich Lietzmann es wegen der Inkorrektheit der Transkription ablehnt. Die Orthographie, wenn man dieses Wort überhaupt an wenden darf, ist auf den jüdischen Grabschriften durchweg eine so willkürliche,, daß dieses Argument nicht durchschlagend ist. Ich־ vermute nicht eine Gemeinde, sondern den Ältestenrat einer nicht näher angegebenen Gemeinde, so daß der dort beigesetzte 7payy.on:E0!; cjexyjv&v nicht als privater Notar, sondern als Gemeindeschreiber oder Sekretär bezeichnet wird. Über die Entdeckung der Katakombe hat Päribeni in den Notizie degli Scavi 1920 berichtet. Die Bearbeiter des vorliegenden Buches haben die Katakomben nochmals gründlich durchforscht. Beyer gibt eine genaue Beschreibung der Lage, der einzelnen Gänge, Nischen, Arcosolien usw.,. Lietzmann erörtert die Malereien und bietet die ,Inschriften. Eine Anzahl von Tafeln gewährt einen Einblick in manche der Räume, eine Wiedergabe zahlreicher Inschriften und Malereien sowie Sarkophage, schließlich zum Vergleich eine Anzahl jüdischer Münzen. Ein genauer Plan der Katakombe, auf dem die Lage der einzelnen Inschriften verzeichnet ist, ist beigegeben.- Mit Recht verläßt Lietzmann den von Greßmann eingeschlagenen . Weg der eschatologischen Deutung der Malereien. Er sieht vielmehr in den dargestellten Gegenständen rein religiöse Symbole. Ich glaube, daß , dies selbst für diejenigen zutrifft, bei denen Lietzmann noch Zweifel hat. Die vielleicht ursprüngliche Symbolik war dabei längst verblaßt und dem ’ Bewußtsein entschwunden. Der siebenarmige Leuchter weist selbstver- : stündlich auf den Tempel zu Jerusalem zurück. Aber gerade in Rom. ist ., er das Wahrzeichen des Judentums geworden und. geblieben, ebenso wie . das Kreuz das Zeichen der Zugehörigkeit zum Christentum ist, ohne daß׳: man die Symbolik hier pressen, dürfte. Diese Auffassung wird dadurch