Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Samaritanisches
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Samaritänisches 305• Parallelen in den arabischen Volksbüchern nachgewiesen; zu diesen gehören auch alle diejenigen Sagen, die sich an biblische Erzählungen und Personen knüpfen. Inderganzen samaritanischen Literatur läßtsich kein Zug arabischen Einflusses nachweisen. Erst im 9. öderlO. Jahrhundert fangen die Samaritaner an, ihre Werke arabisch zu verfassen und da haben sie sich eine eigene Sprache geschaffen, besonders wo es sich um biblische oder religiöse Texte handelt. Sie haben sehr häufig hebräische Worte in den arabischen Text hineingesetzt, genau wie die Ostjuden, die jüdisch-deutsch oder die Sephardim, die ladino schrieben. Außerdem lebten sie viele Jahrhunderte in Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Es gab zwar unter ihnen wohl einige Gelehrte, Ärzte usw. aber diese alle haben arabisch geschrieben,, die alte Sprache wurde von den Samaritanern vergessen, so daß sie es für nötig fanden, die alten Texte ins arabische zu übersetzen. So wie Markah, sind auch die alten Gebete und Hymnen übersetzt worden, und sie wurden häufig mit dem Urtext in 2 parallele Kolumnen abgeschrieben. Auch vom Asatir hat sich eine arabische Übersetzung in einer Handschrift erhalten, sie ist targumartig abgefaßt, ganz freie Umschreibung des Textes, und auch hier finden sich viele Stellen, die der Übersetzer einfach samaritanisch beibehielt. Diese Übersetzung setze ich in die Zeit des Maimonides, sie ist wahrscheinlich in Ägypten entstanden. Schon damals haben die Übersetzer den alten Text nicht mehr verstanden! Der Asatir gehört, wie ich glaube nachgewiesen zu haben, nicht dem 9. Jahrhundert n. Gh., sondern dem 3. Jahrhundert v. Gh. an. Der genaue Vergleich zwischen Asatir, Josephus und palästinischem Targum sowie mit Teilen der alt-jüdischen Sibylle und der Einfluß, den er auf die spätere Literatur, besonders auf die Messiaslehren der Samaritaner ausgeübt hat, zeugt nicht für ein sehr spätes, sondern für eine sehr frühe Zeit. . Auch die Behauptung, daß die Pirke de Rabbi Eliezer unter arabischem Einflüsse stehen, beruht auf einer falschen Auffassung. Dieses Werk gehört dem 2. nachchristlichen Jahrhundert an und die Sagen und Legenden darin, wie Prof. Heller selbst sehr genau weiß, schließen sich am meisten den alten Formen unserer agadischen Literatur an. Daß der spätere Abschreiber dort den Namen der Frau des Mohammed in die Josephs-Legende eingesetzt hat, statt des alten Namens, der dort stand, beweist nur, daß wir es mit einer etwas späteren Abschrift zu tun haben; aber daraus auf das Alter eines Werkes zu schließen, scheint mir mindestens übereilt, wenn nicht verfehlt. Wir dürfen den Einfluß unserer Literatur auf die anderen Völker nicht unterschätzen, im Gegenteil, je mehr man diese Fragen untersucht, je tiefer man die Parallelen studiert, um so deutlicher wird, daß wir nicht immer die Empfangenden, sondern oft auch die Gebenden sind, sogar in sehr reichhaltigem Maße. Das muß mit größtem Nachdruck stets hervorgehoben werden. Besonders verdankt sowohl die arabische als auch die christliche Weit den reichen Schatz ihrer Sagen und Legenden der jüdischen Schöpferkraft. Monatsschrift, 77. Jahrgang 20