Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen 277 aufblühte:. Nachdem sich der Buchdrucker Johann Anton Krüger von seiner Druckerei in Nowydwor zurückgezogen hatte, konnte dieser gleiche Nosonowiöz aüch dessen Inventar und Personal übernehmen. Im allgemeinen wirkten sich die Jahre nach den Napoleonischen Kriegen auch in anderen Orten außerhalb Warschaus günstig für den jüdischen Buchdruck in Polen aus. Im südlichen Polen1, in Hrubieszow und Laszczow, beginnen um diese Zeit 2 jüdische Druckereien ihre Tätigkeit, wenn auch nur für kurze Zeit. Im ersteren Orte wurde zwar schon 1809 gedruckt, es erschien aber nur 1 Werk (לקוטי הלכות) und erst im J. 1816 konnte die Druckerei ihre Tätigkeit mit der Herausgabe des עיין יעקב wieder aufnehmen. Von da ab bis zum Anfang der 20er Jahre (1822) sind dort etwa 20 Bücher erschienen (darunter עין יעקב in 6 Bänden)2 und 1 Buch in den 30er Jahren (אורים ותומים בר׳ יונתן אייבשיץ). In Laszczow begann man 1814 zu drucken und gab bis 1819 15 Bücher heraus. Den Laszczower Drucker Mose BRI Zucker3 treffen wir schon im Jahre 1816 in Hrubieszow an, wo er zusammen mit Menachem Mendel Finckelstein als Inhaber der dortigen Druckerei angeführt wird4. Hier in den südlichen Ortschaften Polens hat ebenso wie in der benachbarten Ukraine die chassidische Bewegung zur Entstehung der Druckereien beigetragen. Die Druckereien in Laszczow und Hrubieszow druckten in der Hauptsache Werke solcher Art. Aber noch ein weiterer Umstand hat wohl bei der Gründung dieser Druckereien mitgesprochen. Diese Gebiete gehörten nach der dritten'polnischen Teilung zu Oesterreich, wo 1 Unter Polen,sind hier überall diejenigen Gebiete zu verstehen, die nach den Napoleonischen Kriegen in das sogenannte Kongreßpolen eingeschlossen wurden. 2 Es sind erschienen vom ין יעקב T. 1—2 תקעת, T. 3— תקעו, T. 4— יתקעט T. 5— תקפב, T. 6— תקפ. Dieselbe עין יעקב Ausgabe gibt es auch, mit dem Aufdruck במעזריטש (ich konnte nur T. 2—4 sehen). Sie stimmt aber bis auf den Druckort in allem — sogar in Druckerzeichen und Erscheinungsjahr,— mit der Ed. Hrubieszow überein. Bei T. 4 sind sogar dieselben Drucker (Finkeistein, Zuckerund Goldstein) genannt. Der Aufdruck מעזריטש soll vielleicht Vortäuschen, daß der Druck aus Rußland stammt und ihm dadurch dort Absatz verschaffen. (Die Einfuhr jüdischer Bücher aus Polen nach Rußland war bis 1851 beschränkt.) < 3 Genannt bei אור החכמה. 4 So bei עין יעקב T. 3; als Mitinhaber wird dort noch Saul Mose Goldstein genannt.