Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 235 Die Anordnung ist, soweit möglich, chronologisch hinsichtlich der AbfassungsZeiten: die Handschriften umfassen im Wesentlichen einen Zeitraum vom 12. bis.13. Jahrhundert bis in die jüngste Zeit, in der wenigstens im Orient das kabbalistische Forschen nicht erstorben ist, was. z. B. die jemenitischen Sammlungen (wie Nr, 149) und ein Jerusalemer handschriftliches Werk aus dem 19. Jahrhundert (Nr. 147) bezeugen. Manche Stücke bringen Licht in historische Verhältnisse, so Nr. 29 betreffs der Beziehungen Josef ibn Gikatilias zum Sohar. Aus anderen Stücken erhellt die große Popularität der grotesken Persönlichkeit des Abraham Abulafia. So stellt z. B. Nr. 19 gemäß der Beschreibung des Herausgebers eine populäre Darstellung Abulafiascher Kabbala dar. Des־ gleichen enthält die Pergamenthandschrift Nr. 7, in der auch Beziehungen zum Sufismus zu finden sind, Einleitendes zu Abulafias ״prophetischer“ Kabbala und mit dieser in Zusammenhang stehende persönlich-mystische Erlebnisse des Verfassers, zum Teile abgedruckt in einem Aufsatze Scholems in ״Kirjath Sefer“ I. Die in großer Zahl existierenden Jezira- und Soharkommentare erscheinen um einige, wenn auch großenteils nur fragmen־ tarische Stücke bereichert. Interessant ist Nr. 17/9 als frühester nachgewiesener Kommentar zur ״Idra rabba“, unter dem Titel ספר הגבול, wovon sich übrigens ein Exemplar auch in der Wiener Jüdischen Gemeindebibliothek befindet. Den breitesten Raum in der Sammlung nehmen, nebst Werken des Mose Gordovero, Auszüge aus der lurianischen Kabbala ein, denen sich Volksmagisches (Losbücher, Amulette, Beschwörungsformeln, auch Chiromantisches) anreiht. Eine der wertvollsten Handschriften dürfte מגדל דוד von David ben Isaak aus Fulda (Nr. 43) darstellen, mit reichem kabbalistischem, magischem, legendarischem und auch biographischem Material, von Scholem sowohl inhaltlich als bibliographisch eingehend analysiert. Sehr lehrreich ist der Anhang, in welchem 13 inhaltlich besonders bemerkenswerte Stellen abgedruckt sind. Dazu gehört z. B. ein Stück aus einem alten Merkaba-Kommentar (aus Nr. 6), ferner ein Abschnitt aus Nr. 36, einem Kommentar Mose Cordoveros zum Sohar Schir ha- Schirim, worin sich der große Enzyklopädiker der theoretischen. Kabbala, dessen Vorstellungen auch vielfach dem späteren Chassidismus verwandt erscheinen, entgegen der üblichen Anschauung, als gründlichen Kenner der auf den Gebrauch der ,,Schemoth“ gegründeten praktischen Kabbala erweist. Mehr ins Innere mystischer Praxis führt das Kapitel aus dem סולם העליה von dem ungefähr der gleichen Zeit angehörigen Juda ben Mose Al bo ti ni (Nr. 6/5), das aber dem Charakter nach an alte Merkabamystik erinnert. Wie sich in der Entwicklung vieler Jahrhunderte die Methode strenger Schulung in subjektiv-persönliche Erlebnisse wandelt, zeigt eine Vergleichung mit dem Berichte des Chassids Jehuda J e c.h i e 1 von Komorno von seinen visionären Träumen (Nr. 138). Zu den Unica gehört nebst den erwähnten orientalischen Stücken ein Teil der unter Nr. 115 verzeichneten Cardoso-Schriften (über die geistige